Die Canon M5 ist die erste “ernsthafte Systemkamera” von Canon. Im Test prüfe ich, was sie kann. Autofokus, Dynamikumfang und Bedienung sind mir dabei am wichtigsten. Soviel vorweg: Die Ergebnisse sind sehr gemischt und es bleibt die grosse Frage: Für wen ist die M5 die richtige Kamera?

Sonnenaufgang Bern - Einsteinmuseum und Alpen

Sonnenaufgang Bern – Einsteinmuseum und Alpen

Erster Eindruck Canon M5

Bevor Du die Kamera kaufst solltest Du sie definitiv mal in die Hand nehmen – und durch den Sucher schauen. Für eine Kamera die aktuell über 1000 EUR kostet ist der eine Frechheit. Anders kann ich das wirklich nicht sagen. Zwei Freunde von mir haben die Kamera schon länger und beide haben den Sucher als den grössten Schwachpunkt bezeichnet. Mit Brille würde ich ihn sogar als unbrauchbar bezeichnen. Und wenn Du die Kamera schon in der Hand hast, dann achte auf die Bedienung. Ja, man kann sich an alles gewöhnen, muss man aber ja nicht. Systembedingt sind die kleinen Systemkameras ein Bedienungs-Kompromiss. Ob Deine Finger mit den kleinen Knöpfen klar kommen, kannst nur Du entscheiden. Ob die richtigen Knöpfe drauf sind auch.

Positiv fällt dagegen auf: Der Bildschirm ist extrem schön. Sehr klar, keinerlei Verzögerung, tolle Farben und der Touch Screen ist sehr gut umgesetzt. Den kenne ich von der 80D und auch dort hat er mir schon sehr gefallen. Später werde ich aber doch noch einen dicken Wermutstropfen zu berichten haben.

Canon M5 mit RodeLink Funk-Mikrofon

Canon M5 mit RodeLink Funk-Mikrofon

Für wen ist die Canon M5 – Warum haben wir sie gekauft?

Die Canon M5 ist nicht meine. Wir haben sie in der Firma gekauft, um für Social Media Fotos und Filme zu machen. Wichtigstes Kriterium war daher: Einfache Bedienung. Man muss die “jedem in die Hand drücken” können und es soll was vernünftiges rauskommen. Und das erfüllt die M5 so gut, wie aktuell keine andere Kamera die ich kenne. Zusammen mit dem Sigma 18-35 (Testbericht). Und das ist, wie immer, der wichtigste Punkt: Welche Objektive sollen an die Kamera? Für reine Landschaftsfotografie hätte ich sie entsprechend nicht gekauft, denn welches Objektiv soll da ran? Eben. Wüsste ich auch nicht.

Das Sigma Objektiv hat einen sehr attraktiven Zoom-Bereich, ist lichtstark genug für die überwiegend Indoor aufgenommenen Fotos/Videos. Da es eine Systemkamera ist, haben wir keine Fokusprobleme, wie sie bei einer DSLR auftreten würden. Für deutlich unter 2000 EUR haben wir eine sehr gute Bildqualität.

Das ist unsere Situation, die aber eher speziell ist. Ansonsten weiss ich nicht, wem ich die Canon M5 empfehlen sollte. Einsteigern wird sie zu teuer sein, auch wenn sie für relativ wenig Geld gute Objektive, wie z.B. das 50mm 1.8 oder das 85mm 1.8 oder das 135mm 2.0 bekommen. Ein sehr guter Standardzoom wird schon wieder schwierig. Die M-Objektive halte ich für unseriös, muss aber sagen, dass ich sie mir nicht mal angeschaut habe. Wüsste nicht, was ich damit anfangen könnte. Weder lichtstark, noch ein interessanter Zoom-Bereich.

Fotografen, die bereits eine Canon und Objektive haben und einfach einen kleinen Body wollen, sind evtl. interessant, siehe aber der Abschnitt zur Bedienung. Und Profis wie ich? Ich wünsche mir sehnsüchtig, eine ernsthafte Systemkamera von Canon. Die Sony A7II würde ich sofort hergeben, wenn die Canon 6D MII eine Systemkamera wird, mit einem grossen Body und einer guten Bedienung. Leider werde ich das aber wohl nicht erhalten und die M5 macht für mich einfach zu viele Kompromisse.

 

 

Bedienung: Testbericht Canon M5

Ein kleiner Body ist nur gut, wenn er im Rucksack ist. In der Hand ist eine kleine Kamera (für mich) immer ein Nachteil. Egal, ob Sony, Fuji oder Canon. Die M5 hat immerhin einen halbwegs ordentlichen Griff. Nicht so gut, wie bei Sony, aber immerhin kann man sie gut einhändig halten. Nur bedienen kann man sie einhändig nicht. Als wir die 80D gekauft haben, konnte ich sie sofort blind bedienen. Die Knöpfe sind identisch zur 60D oder 6D. Fokuspunkt verschieben? Mache ich blind. Von Einzelbild auf Serienbild wechseln? Blind mit dem rechten Zeigefinger. Die M5 bricht diese Tradition. Den Fokuspunkt zu verschieben ist eine Qual. Nicht nur wegen dem winzigen Button, den ich nicht treffe. Es ist langsam und fummelig. Andere Hersteller haben das deutlich besser gelöst. Zwar bietet Canon den Drag-Touch an, aber das funktioniert nur, wenn ich die Kamera wie ein Handy halte. Drücke ich sie mir ans Auge, dann ist in diesem Modus meine Nase im Weg.

Ich betone das noch mal: Den Autofokus zu verschieben ist der grösste Kritikpunkt von mir, noch schlimmer als der miese Sucher. Wer mit den M-Objektiven arbeitet wird hier wahrscheinlich weniger Probleme haben, aber bei 85mm offenblendig zu arbeiten wird zur Geduldsprobe, statt Spass zu machen.

Bedienung der Canon M5 Systemkamera

Ist die Kamera zu klein, oder das Objektiv zu gross?

Viele kleine Details verschlimmern das Bild. Sehr häufig wechsle ich zwischen Sofort-Auslösen und der 2 Sekunden Verzögerung (auf Stativ). Bei der 80D habe ich dafür einen Button unter meinem rechten Zeigefinger. Bei Canon muss ich ins Menü. Cont. Autofokus? Funktioniert nur, wenn ich den Autofokus-Punkt riesig einstelle (statt “klein”, wobei klein immer noch sehr gross ist).

Ich muss noch mal betonen, dass ich die Kamera nur 4 Tage hatte. Man kann sich sicherlich an einiges gewöhnen. Spass hat mir die Kamera jedenfalls nicht gemacht, wenn ich ernsthaft damit arbeiten wollte. Anders hingegen im “Fun-Modus”. Das 22mm Pancake Objektiv drauf gesetzt und für Filmen und Selfies oder Schnappschüsse im Büro? Solange man die Kamera wie ein Handy hält begeistert sie. Von daher macht die angekündigte M6 wahrscheinlich Sinn. Man verzichtet auf den Sucher und bekommt eine Kamera, die noch kleiner und deutlich günstiger ist.

Noch ein Detail: Die Dateinamen werden beim Wechsel der SD-Karte neu vergeben. Man startet also wieder bei 0. Klingt trivial – bis man Dateien in einen Ordner zusammenkopieren möchte: Das geht natürlich nicht. Für mich ist das aber Alltag und entsprechend sehr frustrierend. Ich habe z.B. einen Ordner “Canon M5” erstellt, wo ich Fotos aus mehreren Tagen zusammenlegen wollte – und jetzt nur kann, wenn ich sie vorher umbenenne. Sagte ich schon, dass die Kamera viel Frust weckt?

Letzter Kritikpunkt: Geschwindigkeit. Die Kamera ist insgesamt träger, als meine doch schon ein paar Jahre alte 6D. Bilder anschauen mag cool sein, weil man mit den Fingern zoomen kann. Wenn ich aber beruflich mit der Kamera arbeite, dann ertrage ich keine Verzögerungen. Einer meiner Hauptkritikpunkte an den Sony Kameras – und leider auch an der M5. Ständig blockiert mich irgendwas. Nur eine halbe Sekunde, aber es kommt zusammen.

 

Autofokus Canon M5

Der Autofokus ist vergleichbar zur 80D und sehr gut. Auch bei wenig Licht. Bei über 500 Fotos hatte ich nicht einen Fehlfokus. Natürlich ist er am Abend in der Wohnung langsamer, als in der Mittagssonne, aber absolut praxistauglich für die meisten Situationen. Hallenhandball wird man mit der M5 vielleicht nicht fotografieren können, aber auch nicht wollen. Insbesondere im Video-Modus hat Canon den besten Autofokus, den ich kenne. Wegen dem filme ich meine Youtube Videos seit ein paar Wochen meist mit der 80D und deswegen haben wir die M5 fürs Büro gewählt.

Für Sportfotografen wird die M5 nicht ideal sein, dafür ist sie aber auch nicht gedacht. Serienbilder sind weder sonderlich schnell, noch kann man viele machen. Völlig ausreichend für den Alltag, aber eben nicht für Actionsport.

Das Portrait von mir ist ein out of camera JPG ohne jede Bearbeitung. Default-Einstellungen in der Kamera. Aufgenommen mit dem Sigma 85mm Art 1.4 (Testbericht) bei F2.0. Der Autofokus sitzt, die Farben gefallen und erscheinen mir sehr realistisch. Da es eine Systemkamera ist, muss man kein Autofokus Adjustment vornehmen und kann das Sigma voll ausnutzen. Das macht Spass! Also, es würde Spass machen, wenn das Problem mit dem Autofokuspunkt verschieben nicht wäre. Augenautofokus funktioniert bei mir übrigens generell nicht, egal mit welcher Kamera. Meine, ähm, männlichen Augenbrauen sind zu markant, da bleibt der Fokus hängen.

Canon M5 für Portraits

Canon M5 für Portraits

 

 

Dynamikumfang

Mit der 80D hat Canon zumindest aufgeholt und die M5 hat angeblich den gleichen Sensor. Das Foto zeigt ein einzelnes Foto. Out of Camera und in Lightroom nachbearbeitet. Das wäre bei einer 60D nicht möglich gewesen. Wer hier noch mehr braucht, der macht einfach ein HDR. Für die meisten Alltagssituationen wird aber (endlich) ein einzelnes Foto reichen.

Dynamikumfang Canon M5

Dynamikumfang Canon M5

HDR in der Kamera hingegen ist nicht wirklich sinnvoll. Ich habe es kurz probiert. Ignorieren wir mal, dass wir auf ISO6400 gehen (statt ISO 100, ich war schliesslich auf dem Stativ): Das Foto geht direkt in den Müll.

HDR an der Canon M5

HDR an der Canon M5

 

 

Testbericht: Bildqualität Canon M5

Die Canon 80D hat uns sehr gut gefallen und die M5 dürfte die gleiche Bildqualität liefern. Der Waschbär wurde mit dem 70-200 bei F2.8 aufgenommen. Das Foto ist ein JPG direkt aus der Kamera. Farben, Schärfe und Details überzeugen bereits beim JPG. Aus der RAW-Datei kann man noch ein wenig mehr rauskitzeln, aber wofür? Ich bin ja ein grosser Fan von den Canon Farben und die M5 setzt dies konsequent um. Wahrscheinlich wird Canon die gleichen Software Routinen in allen Kameras verwenden und das ist gut so.

Bildqualität Canon M5 - Waschbär

Bildqualität Canon M5 – Waschbär

Der 100% Crop von der Ente zeigt, dass sehr dunkle Strukturen im JPG ein wenig verloren gehen. Im RAW sind diese noch erhalten. Die Wassertropfen auf der Ente sind im RAW noch ein wenig mehr Crisp. Der Screenshot ist selbst ein JPG, an meinem Monitor ist der Unterschied grösser, als in dem  hier gezeigten Foto.

 

Bildqualität Canon M5 - Ente

Bildqualität Canon M5 – Ente

 

Video

Im Praxiseinsatz zeigt das folgende Video die M5. Die Bildqualität ist gut (längst nicht so gut, wie bei meiner Panasonic G70) und die Bedienung kinderleicht. Der Autofokus überzeugt hier sehr. Auto-Sound ist ebenfalls gut. Ich kann die Videos nehmen und 1-1 auf Youtube hochladen. Einfacher geht der Workflow für mich nicht mehr. Für Hobby-Filmer und Social Media Filmer daher eine klare Kaufempfehlung. Ernsthafte Filmer werden wissen, was sie brauchen.

Als die Kamera rauskam wurde der nach unten klappbare Bildschirm verspottet. Ja, auf Stativ funktioniert das nicht. Wenn man die Kamera aber für Selfie-Videos in der Hand hat, dann ist das genial, denn man schaut nicht mehr an der Kamera vorbei oder drüberweg. Der Blick wirkt daher natürlicher.

 

Keinen Artikel mehr verpassen?

Dann schreib Dich in den Newsletter ein!

 

Fazit

Mein Fazit zum Review der Canon M5 ist: Mit grossen Objektiven ist die Kamera zu klein, um sie noch komfortabel zu bedienen. Als Fun-Kamera ist sie super – aber reichlich teuer. Die Bedienung ist mir für den professionellen Einsatz zu frustrierend. Der Sucher ist fast unbrauchbar und die Knöpfe sind zu klein, zu versteckt und in der Default-Belegung nicht genug/nicht die richtigen. Das Verschieben der Autofokuspunkte ist für offenblendige Portraits kaum brauchbar.

Sehr gut geeignet ist die M5 für den Einsatz wie bei uns im Büro: Leichte Bedienung im Handy-Stil. Insbesondere mit dem 18-35mm Sigma Art Objektiv und/oder dem 22mm. Ansonsten weiss ich nicht recht, wer damit glücklich wird.