Testbericht Fujifilm XF-35mm F1.4 R Objektiv – Review

Testbericht Fujifilm XF-35mm F1.4 R Objektiv – Review

Fujifilm-Kameras sind etwas für Liebhaber und das umfasst auch die Objektive. Das Fujinon 35mm 1.4 war eine der ersten Festbrennweiten für das X-System und wurde hoch gelobt – bis der F2.0 Nachfolger kam. Ob das Original nur gut aussieht, oder auch eine dem Preis angemessene Leistung bietet liest Du in diesem Testbericht. Ich habe das Objektiv ausschliesslich an der Fuji X-E3 benutzt.

Generelle Kauftipps für Portrait-Objektive gibt es in einem weiteren  Artikel. Weitere Testberichte hier im Fotografie-Blog. Fotos mit der X-E3 Kamera in hoher Auflösung auf Flickr.

Fujifilm 35mm Objektiv an X-E3
Bokeh Fujifilm 35mm Objektiv

Bokeh Fujifilm XF-35mm F1.4 R Objektiv

Das Bokeh auf Blende 1.4 gefällt mir sehr gut. Auf Flickr zeige ich mehrere Fotos mit verschiedenen Blenden. Egal ob vor oder hinter dem Fokuspunkt: Butterweich! Die Tulpen sind bei Blende 1.6 aufgenommen, der Wegweiser bei 1.4. Beides sind JPG-Fotos.

Autofokus an der Fuji X-E3

Der Autofokus bleibt ein Schwachpunkt der Fujifilm Kameras/Objektive. Seit meinem ersten Kontakt vor fünf Jahren ist viel gegangen und bei genügend Licht funktioniert er heute ausreichend gut. Auch mit dem 35mm 1.4 Objektiv, dass zu den schwächeren gehört. Bei Tageslicht hatte ich keine Schwierigkeiten meine Freundin oder ihre Katze zu fotografieren (wenn diese in der Sonne lag). Ein sportliches Gefühl kommt allerdings nicht damit auf und je weniger Licht man hat desto schwächer wird die Performance. Der Phasenautofokus (nur in der Bildmitte bei der X-E3) ist dabei spürbar stärker, als die Ränder.

Wichtiger Punkt ist hier die Größe des Autofokuspunktes (kann man konfigurieren). Wer wie bei einer DSLR mit einem Punkt arbeiten möchte, muß leider mit einer sehr schwachen Performance leben. Das Foto vom Katzengesicht war eins von drei korrekt fokussierten. Drei von 30 Versuchen. Die Katze hält nicht still und der Fokus braucht einen Sekundenbruchteil – zu lang für Nikki. Das Foto der Katze ist ein JPG bei F1.4.

Das Objektiv fokussiert deutlich hörbar. Zunächst dachte ich, das wäre als Retro-Sound gedacht, aber so weit ich das lese wurde es durch Firmware deutlich “leiser gemacht”. Das Objektiv hat keine Entfernungsanzeige, keinen M/AF-Knopf und ist focus by wire (was ich persönlich gar nicht mag).

Gewicht 205 g (mit Sonnenblende)
Max-Blende 16
Wetterfest nein
Filtergewinde 52 mm

Handhabung und Einsatzbereich

Das Objektiv ist winzig und zusammen mit der kleinen X-E3 passt es bequem in eine (große) Jackentasche. Die Blende wird am Objektiv verstellt – leider sehr leichtgängig. Mir passiert es häufig, dass ich es aus versehen verstelle. Mit Winterhandschuhen lässt es sich nicht bedienen (die X-E3 aber auch nicht). Diese Leichtgängigkeit ist der Hauptgrund, warum ich seit Jahren mit Fujifilm liebäugle, aber bislang nicht zugeschlagen habe. An der X100T ist es “perfekt” umgesetzt für meine Handwerkerfinger.

Mit der quadratischen Gegenlichtblende kommt Retro-Feeling auf. Dazu passt auch, dass es aus Metall gefertigt und entsprechend schwer ist. Es fühlt sich sehr wertig an. Aufgrund der exzellenten Kantenanhebung der X-E3 macht das manuelle Fokussieren keine Schwierigkeiten. Der Fokussierring ist (knapp) breit genug für meine Wurstfinger. Das Objektiv habe ich parallel mit dem 30mm Sigma für Sony getestet. Es ist für mich klar, welches Objektiv schöner ist und mehr Spass macht!

Die Gegenlichtblende hat eine kleine Öffnung. Das ist gut, weil sie entsprechend schützt, heisst aber auch, dass man den Objektivdeckel eigentlich nicht aufsetzen kann. Aber wer nutzt denn auch Deckel, wenn er eine Sonnenblende hat?

Fujifilm 35mm Verzerrung

Schärfe, Chromatische Aberration, Sonnenstern und Flare

Für das Objektiv bietet Lightroom leider keine Korrektur an, allerdings wird die integrierte automatisch angewandt (sieht fehlende Verzerrung der Steine). Die Vignette ist dennoch deutlich sichtbar (normal bei einem solchen Objektiv).

Die Chromatische Aberration ist in den meisten Fällen kein Problem. Das Beispiel vom Fahrrad (Zuschnitt) ist allerdings extrem (JPG out of camera). So stark habe ich das glaube ich noch nie gesehen.

Weitere Fotografie-Testberichte gibt es hier im Blog.

Lightroom Fujifilm Profil

Das Foto zeigt die untere rechte Ecke bei 1.4 und 2.8. Der Unterschied ist deutlich zu sehen – aber erstaunlich gut bei 1.4 (JPG out of camera). In der Praxis habe ich viele Fotos auf 1.4 gemacht und nie über fehlende Schärfe geflucht.

Sonnensterne hingegen sind nicht die Stärke des Objektivs. Flare ist dank der engen Sonnenblende kaum ein Thema. Schockiert bin ich, dass ich bereits Sensorflecken auf der X-E3 habe, nachdem ich vielleicht zweimal das Objektiv gewechselt habe – vorsichtig und in der Wohnung.

Schärfe des Fujifiom 35mm 1.4 Objektiv
Chromatische Aberration Fujifilm 35mm
Sonnenstern Fujifilm 35mm Objektiv
Fujifilm X-E3 Portrait Mann bei der Arbeit

Fazit zum Testbericht Fujifilm 35mm Objektiv

Das 35mm 1.4 Objektiv von Fuji ist winzig und zusammen mit der kleinen X-E3 Kamera passt es in die Jackentasche. Dazu kommt der “50mm bei 2.0 Look”, den man damit erzeugen kann. Es wurde parallel zum Sigma 30mm (Testbericht) getestet und hat mir deutlich mehr Spass gemacht. Das Sigma ist wahrscheinlich “technisch besser”, sprich schärfer, aber das bedeutet nicht, dass mir die Fotos besser gefallen. Auf Flickr kann man die Fotos von beiden sehen und sich selbst ein Bild machen.

Fujifilm bietet auch ein neueres F2.0 Objektiv an. Dies ist “moderner”, leiser, wetterfest, bietet aber nur 2.0 und im Zweifel wähle ich immer mehr Lichtstärke. Die meisten meiner Fotos habe ich auf Blenden 1.4-1.6 erstellt. Das Foto von Kristina mit dem Kinderwagen ist bei 1.4 aufgenommen. Schön wäre es gewesen, wenn ein Objektiv in dieser Preislage wetterfest wäre. Auch ein Bildstabilisator fehlt leider (für Video wichtig).

Siehe auch meinen Artikel zum Thema erste Festbrennweite.

Weitere Fotografie-Testberichte gibt es hier im Blog, insbesondere das Review zur Sony A6300 könnte von Interesse sein.

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April 8th, 2018|Kategorien: Fotoausrüstung, Testbericht|Tags: , , |

7 Comments

  1. Peter Helm 20. Juni 2018 um 7:27 Uhr - Antworten

    Deine festgestellten AF Probleme kann ich so nicht nachvollziehen. Das XF35 1.4 ist sicherlich eines der langsamsten Fuji Objektive. Die Blendenringe bei Fuji sind meist leichtgängug, aber wo ist das Problem? Den schließlich wird die Blende eh für jede Situation neu eingestellt und zwischendurch verstellt die sich so gut wie nie. Das ist in meinen 6 Jahren Fuji noch nie ein Problem gewesen. Evtl. wenn man Blendenautomatiknutzer ist, kann es nerven.
    Das mit dem Sensorflecken verstehe ich nicht. Meinst Du entfernbare Staubflecken oder nicht entfernbare Flecken? Ich habe schon tausende Male Fuji Objektive gewechselt und aussser normalen Staub und Pollenschmutz nichts auf dem Sensor gehabt. Trotzdem reinige ich den Sensor nur ca. 1 mal pro Jahr nass. Ansonsten reicht der Vibrator und ein Blasebalg

    Peter

  2. Viagrapills 10. April 2018 um 10:57 Uhr - Antworten

    Danke ❤ das Wünsche ich dir auchviagra pills

  3. Matthias 9. April 2018 um 9:16 Uhr - Antworten

    Ich bin nun auch mit der xe3 und u.a. mit dem 35 1.4 unterwegs. Bzgl Autofokus. bin ich voll zufrieden um Kinder Hund Katze einzufangen. Neben Af-c Modus stelle ich auch Af Mehrfeld, setze ein mittleres Quadrat in die Mitte und habe dann genügend Fokuspunkte auf kleinem Raum zentriert. Das klappt wirklich bestens auch bei schnellen Bewegungen. LG Matthias

    • Stephan Wiesner 9. April 2018 um 10:42 Uhr - Antworten

      🙂 Eben, Mehrfeld AF ist voll OK.

  4. Marcel 8. April 2018 um 14:39 Uhr - Antworten

    Sehr schöner Testbericht.
    Ist das mit dem Fokus wirklich so schlimm? Ich habe das 56 mm 1.2 APD von dem alle behaupten, dass der Fokus grausam wäre.
    Stimmt aber nicht, der vom Tamron 85mm 1.8 an der D800 ist wesentlich schlechter.
    Die Fuji Objektive sind nicht nur auf Schärfe ausgelegt, sondern auch auf guten Kontrast, vor allem Mikrokontrast (feine Helligkeitsunterschiede).
    Dies ist bei Leica und bei Zeiss vor allem aber bei Voigtländer Objektiven auch so, daher sehen die Bilder auch so toll aus.
    Um dies zu erreichen muss ein guter Kompromiss zwischen Schärfe und Mikrokonrast gefunden werden. Da man aber Schärfe Messen kann (standardisiertes Verfahren)
    kann man dies gut für Marketing Zwecke nutzen. Daher haben wir jetzt viele super scharfe Objektive, welche hässliche, flaue Fotos machen.
    Ein Objektiv nur an seiner Schärfe zu bewerten, ist wie einen Wein nur nach seinem Alkoholgehalt, oder einen Kuchen nach dem Zucker…

    • Stephan Wiesner 8. April 2018 um 15:34 Uhr - Antworten

      Wirklich so schlimm wie was? Es geht schon noch schwächer, die X100T z.B., aber wie gesagt: Wenn man ein sehr breites AF-Feld nimmt, dann ist es flott. Einfach nicht so flott, wie ich das von anderen neuen Kameras gewohnt bin.

  5. Jörg Wunderlich 8. April 2018 um 14:33 Uhr - Antworten

    Ein sehr guter Testbericht. Mir gefällt an deinen Tests die Objektivität und nicht das gnadenlose Schönreden und Verdrängen von Unzulänglichkeiten. Anfang des Jahres stand ich auch vor der Wahl, eine neue Nikon oder der Wechsel zu einer DSLM, ich habe mich für ersteres entschieden und mir die D7500 gekauft, die du ja auch schon getestet hast. Die ist absolut prima, der AF ein Traum (ich fotografiere viel Hunde). Sicher muss ich auch mir Kompromissen leben, denn Video ist mit Nikon praktisch unmöglich, es sei denn man fokussiert manuell. Aber wer macht das schon. Aber das Problem kannte ich, denn das hat bis heute jede Nikon. Aber bei mir liegt der Schwerpunkt auf Fotografie, so das ich damit leben kann.
    Fuji stand bei mir auch auf Interessenliste und ich habe mir sehr viele Videos dazu angeschaut und dann eben gemerkt, dass es für mich doch nicht das Richtige ist.

    Viele Grüße aus Dresden

    Jörg Wunderlich

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