Testbericht Sigma 30mm F1,4 DC DN Objektiv für Sony E-Mount

Testbericht Sigma 30mm F1,4 DC DN Objektiv für Sony E-Mount

Das 30mm Sigma 1.4 Objektiv für Sony E-Mount und MFT Kameras gilt als aussergewöhnlich gut, wenn man den üblichen Facebook-Gruppen glauben darf. Wo seine Schwachpunkte und Stärken sind zeige ich in diesem Testbericht.

Generelle Kauftipps für Portrait-Objektive gibt es in einem weiteren  Artikel. Weitere Testberichte hier im Fotografie-Blog. Fotos in hoher Auflösung auf Flickr.

Sigma 30mm Objektiv an Sony A6300
Bokeh Sigma 30mm Objektiv

Bokeh Sigma 30mm 1.4 Objektiv

Das Objektiv entspricht ca. 45mm an Vollformat und eignet sich damit hervorragend für die Arbeit als Portrait-Objektiv für Situationen, wo man mehr zeigen möchte, als nur den Kopf. Bei Blende 1.4 muss man bereits sehr aufpassen, nicht zu wenig Schärfentiefe zu haben. Das Bokeh gefällt mir sehr gut und zwar sowohl vor, als auch hinter dem Fokuspunkt. Auch bei eher praktikablen Blenden um 2.0 ist es noch attraktiv und rund. Auf Flickr habe ich eine Reihe entsprechender Fotos hochgeladen.

Das Beispiel von der Katze in der Sonne zeigt ein Problem: Hier war das Bild trotz 1/4000 stark überbelichtet. Bei Tageslicht muss man eigentlich einen Graufilter verwenden, wenn man nicht auf noch kürzere Verschlusszeiten zurückgreifen kann.

Bokeh Vergleich Sigma Objektiv
Katze in der Sonne
Autofokus Sigma 30mm Objektiv

Autofokus an der Sony A6300

Der Autofokus ist leider ein Schwachpunkt des Objektivs. Wichtig ist hier die Firmware zu aktualisieren, es gab in den ersten Serien Bugs, die Sigma aber mit der Version 03 behoben hat. Hier geht es zur Firmware. Dennoch habe ich immer wieder Probleme überhaupt zu fokussieren und der cont. Autofokus schafft es nicht mit der gehenden! Katze mitzuhalten. Das hier gezeigte Foto ist eine Ausnahme. Ich bin Nikki einen ganzen Tag lang bei jeder Gelegenheit hinterhergelaufen und habe fast kein scharfes Foto hinbekommen. Für die Fotografie von Menschen die still halten ist das natürlich kein Problem.

Gewicht 140 g
Max-Blende 16
Länge 7.3 cm
Filtergewinde 52 mm

Handhabung und Einsatzbereich

An den Sony Ax00-Kameras kann man das Objektiv sehr gut halten. Für die Lichtstärke ist es eher klein und leicht, aber die Sony sieht damit schon deutlich “wuchtiger” aus, als mit dem Kit. Es hat keine Knöpfe oder Anzeigen und folgt damit leider dem aktuellen Sony-Trend. Einen M/AF-Schalter hätte ich gerne gehabt und als Landschaftsfotograf arbeite ich sehr viel mit der Anzeige der Entfernung, die hier leider fehlt.

Weitere Fotos mit EXIF-Daten gibt es auf Flickr.

Das folgende YouTube Video zeigt den Einfluss der Brennweite in der Portrait-Fotografie.

Verzerrung und Vignette

Schärfe, Chromatische Aberration, Sonnenstern und Flare

Das Problem mit diesem Objektiv ist die hohe Erwartungshaltung, die von Einsteigern geweckt wird, die vom Kit-Objektiv auf ihre erste Festbrennweite wechseln. Dabei darf man nicht vergessen, dass es ein günstiges Objektiv (für die Leistung) ist. Für den Preis finde ich es sehr leistungsfähig – aber es kostet auch weniger als die Hälfte, als z. B. das Sony 55mm für Vollformat.

Eine ausführliche Beschreibung der technischen Werte wie Schärfe und Vignette gibt es auf DXOMark. Bei Blende 1.4 ist das Objektiv bereits ausreichend scharf, aber es gibt einen deutlich sichtbaren Anstieg bis Blende 4. Erst ab 2.8 hat es die extreme Schärfe, die man von Sigma Objektiven gewöhnt ist. Das Foto unten zeigt den extremen Rand bei 1.4 vs. 4.0.

Die Vignette springt sofort ins Auge (kann man in der Kamera oder in Lightroom korrigieren) und auch die Verzerrung ist markant sichtbar (ebenfalls korrigierbar). Das Foto der Ziegelwand zeigt die Wirkung deutlich.

Das Foto vom Fahrrad ist ein Zuschnitt und der extremste Fall von Chromatischer Aberration, den ich erzeugen konnte. Das lässt sich in Lightroom korrigieren, die automatische Korrektur reicht hier aber nicht, man muss Hand anlegen. Für Blende 1.6 ist das kein ungewöhnlicher Fall, im Alltag ist sie meistens nicht sichtbar.

Weitere Fotografie-Testberichte gibt es hier im Blog.

Gegenlicht-Situationen sind ein weiterer Schwachpunkt. Ich habe die Fotos gleichzeitig mit dem 35mm 1.4 von Fuji aufgenommen. Das Objektiv ist kleiner und hat eine engere Sonnenblende, daher war es in diesen Situationen deutlich im Vorteil: Es kam weniger direktes Sonnenlicht in das Objektiv.

Das Sigma erzeugt starke und eher wenig attraktive Flares und einen schönen Sonnenstern konnte ich nicht erzeugen. Dies obwohl Sigma beides bei anderen Objektiven sehr gut handhabt. Das Foto zeigt den Sonnenstern bei Blende 16 und den erzeugten Flare. Bei offener Blende ist der Flare natürlich runder und gar kein Sonnenstern sichtbar.

Schärfe Sigma 30mm Objektiv 1.4
Sonnenstern Sigma 30mm Objektiv

Fazit zum Testbericht Sigma 30mm

Es macht Spass, mit dem Objektiv zu arbeiten. Im Alltag ist der Autofokus schnell genug und man kann wunderbar freistellen. Das erzeugte Bokeh gefällt mir und auch der Look der Fotos ist clean und mit kräftigen Farben. Die Säulen unten zeigen ein Out of Camera JPG an der Sony A6300. Nach meiner Erfahrung kommt es bei Sigma-Objektiven an Sony zu einer leichten Farbverschiebung, das ist auch hier sichtbar. Der Himmel in Bern ist zwar nicht oft blau, aber an diesem Tag war er es. Blau nicht … lila.

Als Sony-User hat man nicht wirklich Alternativen. Das alte 30mm Sigma ist zwei Blenden “schlechter” und das sieht man den Fotos sehr deutlich an. Es gibt von Sony selbst Objektive mit ähnlichen Brennweiten, die aber deutlich mehr kosten und nicht zwingend besser sind. Die umgerechnet 45mm Brennweite sind sehr flexibel einsetzbar und etwas in dieser Grössenordnung gehört in jeden Fotorucksack. Schön wäre es gewesen, wenn das Objektiv wetterfest wäre.

Siehe auch meinen Artikel zum Thema erste Festbrennweite.

Die Fotos auf dem Flickr-Stream geben hoffentlich einen Eindruck davon, was man mit dem Objektiv machen kann.

Weitere Fotografie-Testberichte gibt es hier im Blog, insbesondere das Review zur Sony A6300 könnte von Interesse sein.

Farben und Kontrast
April 5th, 2018|Kategorien: Fotoausrüstung, Fotografieren Lernen, Testbericht|Tags: , , |

18 Comments

  1. Klaus Tykwer 8. April 2018 um 22:51 Uhr - Antworten

    Lieber Stephan, Danke für Deine Arbeit und Deine Begeisterung für die Fotografie, von der ich mich gerne seit Jahren auf unterschiedlichen Kanälen begleiten lassen.

    Auch ich nutze das Sigma 30mm der Art Serie an Nikon und manuell am Sony Vollformat. Der Focus klappt mit Nikon flüssig und ich sehe keinen Unterschied zu anderen Objektiven der Art Serie. Qualitativ hervorragende Farben und in allen anderen Bereichen habe ich auch ähnliche von Dir beschriebene Erfahrungen mit dem Objektiv gemacht. Was mir fehlt, ist die Gummidichtung am Bajonett.

    Ich freue mich auf weitere Rezensionen und kreative Ideen auf Deinem Blog…. Herzlichen Dank Klaus

    • Heinz 10. Mai 2018 um 16:57 Uhr - Antworten

      Hier geht es um ein anderes Objektiv.

  2. Stephan Rossi 6. April 2018 um 8:26 Uhr - Antworten

    Hallo Stephan
    Besten Dank für dein Testbericht. Ich habe das 30mm 1.4er erbenfalls. Bei mir auf der Sony a6500 habe ich auch schon leichte Fokusprobleme festgestellt, mich aber noch nicht intensiv mit befasst. Werde heute mal die Firmware überprüfen und gegebenfalls aktualisieren.

    Liebe Grüsse Stephan Rossi

  3. Joël Wüstehube 5. April 2018 um 17:10 Uhr - Antworten

    Habe ,bis auf dem farbstuch und dem Fokus, viele der Probleme noch nicht selbst feststellen können. Wahrscheinlich weil ich es auch nicht so genau getestet hab wie du.

    Bei den sonnensternen habe Ich jedoch andere Erfahrungen gemacht. Ich besitze auch das sigma 16mm bei dem du, wenn ich das richtig in Erinnerung habe, die sonnensterne lobend erwähnt hast. Im Vergleich dazu finde ich die vom 30 mm sehr ähnlich. In dem Link unten sind 2 Beispiele beide bei F16 einmal mit 30mm und einmal mit 16mm.

    https://plus.google.com/photos/110748610541460179685/album/6540979493383759745?authkey=CM-H7pK91szTCg

    • Stephan Wiesner 5. April 2018 um 18:52 Uhr - Antworten

      öhm, viele der Probleme? Habe eigentlich nur ein AF-Problem. Singular.

  4. Flo 5. April 2018 um 14:00 Uhr - Antworten

    Ich spiele schon länger mit dem Gedanken, eine preiswerte a6000 gebraucht zu kaufen, um was “kleines schwarzes” für immer dabei zu haben. Das Sigma dachte ich, würde ganz gut passen. Da ich aber unterwegs viel mit rennenden Kindern und so zu tun habe, könnte der Autofokus zum Problem werden. Danke für den Hinweis!

    ps. Finde das Format so klasse. Nicht zu lang aber auch nicht an den wichtigsten Details gespart. Weiter so!

    • Montanez 5. April 2018 um 16:23 Uhr - Antworten

      Ich habe seit Kurzem exakt die selbe Kombination (a6300 und Sigma 30 f1.4). Hauptsächlich sind bei mir auch kleine sich schnell bewegende Kinder vor der Linse. Ja, der Autofokus könnte schneller sein, aber als problematisch habe ich das bislang nicht empfunden. Die Gesichtserkennung klappt zuverlässig im kontinuierlichen Autofokus. Bei Blende 1.4 natürlich ein Glücksspiel welcher Teil vom Gesicht dann scharf ist, aber etwas abgeblendet und/oder etwas weiter entfernt bin ich mit den Resultaten sehr zufrieden. Selbst der oft kritisierte Augenautofukus sitzt bei meinen Kindern zumindest auf der Pupille – wenn er das Auge denn erkennt.

      Das Sony 35 f1.8 soll flotter fokussieren. Allerdings haben mich die realen Fotos die man auf Flickr z.B. findet (keine Testcharts) des Sigmas mehr überzeugt. Außerdem ist es teurer und ich denke nicht, dass mir der Bildstabilisator bei sich bewegenden Kindern helfen kann (er weiß schließlich nicht wohin sie sich bewegen), da habe ich lieber 2/3 Blende mehr für 100€ weniger genommen 🙂 Muss aber dazu sagen, dass ich das Sony selbst nie testen konnte.

      • Montanez 5. April 2018 um 16:28 Uhr - Antworten

        Nachtrag: Habe die aktuelleste Firmware und versucht das Blende 2.0 Problem zu erzeugen. Konnte keine Unterschiede zwischen EVF und Display feststellen, bei beidem scharf. Auch bei anderen Blenden sind mir bislang keine auffälligen Fehlfokussierungen aufgefallen.
        Lediglich im Bereich nahe der Naheinstellgrenze hat der Autofokus, insbesondere bei schwachem Licht, starke Probleme.

  5. Simon 5. April 2018 um 13:06 Uhr - Antworten

    Hallo Stephan
    Wieder mal ein wirklich lesenswerter Bericht. Deine Art zu schreiben gefällt mir sehr gut. Kannst du schon was sagen bezüglich Vergleich zum Fuji Objektiv, oder kommt der Vergleich erst später?

    • Stephan Wiesner 5. April 2018 um 13:08 Uhr - Antworten

      Das ist in Arbeit. Ein Artikel nach dem anderen 🙂

      • Simon 5. April 2018 um 13:16 Uhr - Antworten

        Top 👍 da ist die Vorfreude gleich da.

  6. LT 5. April 2018 um 11:19 Uhr - Antworten

    Hallo Stephan, danke für das umfangreiche Review. 👍🏻 Für mich als Journalist eignet sich das Sigma aufgrund der von dir beschriebenen Schwächen damit definitiv nicht. Das erleichtert mir die Entscheidung…

  7. Tom 5. April 2018 um 10:10 Uhr - Antworten

    Abgesehen davon, dass ich keine A6000 mehr habe, war das Objektiv für mich nicht gut genug. Blende 2.0 Problem und dazu unterirdischer Support von Sigma.
    Die Schärfe und das Bokeh waren gut, aber ich hatte mir mehr erwartet, d.h. APS-C und 30mm war nicht das Richtige für mich. Zu weit, bei Blende 1.4 war zu wenig Freistellung drin. Da blieb ich lieber beim Sony 35mm 1.8, Stabilisator, kompakt und vom Autofokus klar eine andere Liga. Nur scharf war es erst ab 2.8 richtig.
    Die Sigma Art Linsen mit 2.8 fand ich hingegen perfekt, gebraucht gute 100 Euro.

  8. Peter Sack 5. April 2018 um 9:57 Uhr - Antworten

    Hallo Stephan, Hallo Fangemeinde, ich habe das Objektiv auch und kann alle Punkte bestätigen, der continuirliche Autofokus ist faktisch nur bei langsamen Objekten nutzbar, bin froh das hier auch noch bestätigt zu sehen. Allersonstens ein tolles Objektiv für einen fairen Preis.

  9. Matthias 5. April 2018 um 8:57 Uhr - Antworten

    Hi Stephan, eie ist denn dein Eindruck zum viel beschriebenen Blende 2 Problem?

    • Stephan Wiesner 5. April 2018 um 8:59 Uhr - Antworten

      Wie beschrieben ist das ein Bug gewesen, der mit der Firmware behoben wurde. Habe ich nicht erlebt, mein Objektiv kam schon mit V03

      • Eike 5. April 2018 um 9:34 Uhr - Antworten

        Hallo Stefan,
        wo sehe ich denn die Version der Firmware des Objektivs? Würde gerne sehen, ob ich auf dem neuesten Stand bin. Das F2 Problem habe ich aber bereits nicht mehr.
        Liebe Grüße, Eike.

        • Stephan Wiesner 5. April 2018 um 9:49 Uhr - Antworten

          Firmwareversion von Kamera und Objektiv kann man sich im Menü der Kamera anzeigen lassen.

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