Testbericht Sony A6300 Review Deutsch

Die Sony A6300 nutze ich primär für Wander- und Bergtouren. Davor hatte ich die A6000 und davor die NEX-7 im Einsatz. Über mehrere Jahre haben sie bei mir hunderte Wanderungen, Urlaube oder Klettereinsätze mitgemacht. Insbesondere mit dem winzigen Samyang 12mm Objektiv eine Kombination, für die ich nichts vergleichbares kenne. Mehr als 10 Bilder pro Sekunde, Filmen in 4K, einhändige Bedienung und das in einem kompakten Format, dass in eine große Jackentasche passt.

Sony A6300 Testbericht
Samyang 12 mm Objektiv an Sony A6300

Hauptfunktionen

Für mich sind die Sonys extrem gute Zweitkameras. Als Hauptkamera wird es problematischer: Vor dem Kauf sollte man sich unbedingt Gedanken über Objektive machen. Sehr empfehlenswert sind die Sigma 16mm und 30mm Festbrennweiten und Sigma hat eine Reihe weiterer Objektive angekündigt, die auch für Vollformat geeignet sind. Ein wirklich gutes Allround-Zoom-Objektiv fehlt meiner Meinung nach jedoch. Dies weil ich den Zoombereich 24-100mm als ideal betrachte. Wer mit 28mm leben kann, der findet Optionen und wer das Zeiss 16-70 gebraucht für einen guten Preis erwischt kann damit wahrscheinlich leben. Ich selbst habe es verkauft, weil ich mit der Leistung unzufrieden war (insbesondere die fast schon unbrauchbaren Ränder).

Fernauslöser an Sony A6300 und A6000

Zubehör

Es gibt sehr viel Zubehör für die Sony A6300. Ich nutze diese Akkus von Drittherstellern, diesen Fernauslöser und eine L-Förmige Kamera Schnellwechselplatte. Für den Transport verwende ich meistens eine Cosyspeed Outdoor Tasche (natürlich die Stephan Wiesner Edition). Die Tasche ist mit den meisten Objektiven unnötig gross für die kleine Sony, aber da ich sie häufig gemeinsam mit der Sony A7 oder Panasonic GH5 benutze, kann ich eine Tasche für alles verwenden.

Für die Blitzfotografie verwende ich diverse Systeme. Für Sony Kameras ist der winzige Blitz von Godox mein Favorit (mit HSS und TTL). Die Yongnuo 603 II Auslöser können auch als Fernauslöser für die Sony verwendet werden (mehr als 50m Reichweite).

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Brocken im Harz bei Mondlicht

ISO-Rauschen

Der Sensor von Sony ermöglicht fast rauschfreie Fotos bis ISO 800. Meine Schmerzgrenze liegt bei ISO 3200. Für Fotos bei Nacht und insbesondere der Milchstrasse habe ich die Kamera wiederholt mit diesen Werten verwendet. Zusammen mit einem lichtstarken Objektiv muss man aber nur sehr selten so hoch gehen. Mein Favorit ist das 12mm Samyang, das ich seit Jahren auf fast allen Bergtouren dabei habe. Das Milchstrassen-Foto ist bei ISO 3200 und Blende 2.5 aufgenommen (RAW).

Die Rauschreduzierung der JPG-Dateien ist aggressiv, für viele Fotos aber ein guter Kompromiss. Persönlich arbeite ich mit RAW und reduziere das Rauschen in Lightroom von Hand.

Milchstrasse mit der Sony A6300
Klettern mit der Systemkamera von Sony

Bedienung

Sony hat es geschafft, sehr viele Knöpfe auf dem kleinen Body der A6300 zu verteilen. Die Anordnung ist sinnvoll und logisch und sie lässt sich einhändig bedienen – insbesondere im Bergsport ist das sehr wichtig. Durch das konfigurierbare fn-Menü kann man sich alle benötigten Informationen griffbereit zurecht legen. Die Kamera lässt sich auch mit grossen Handschuhen noch einigermassen bedienen.

Grosses (und einziges) Manko ist meiner Meinung nach der Autofokus: Es fehlt ein Joystick oder Touch-Screen, um den Autofokuspunkt schnell zu verschieben. Auch nach tausenden Fotos komme ich mit der Bedienung noch durcheinander. Mal verschiebe ich den Autofokus, wenn ich das Drehrad nach links drücke, mal wechsle ich damit zwischen Einzelbild und Serie. Besser wäre hier zumindest gewesen, einen dedizierten Fokus-Verschieben-Knopf zu verwenden, wie Canon das macht – oder das Drehrad nicht mit Funktionen zu belegen, wie Nikon das macht. Eine Bedienung des AF mit Handschuhen ist für mich nicht möglich.

Über das Menü von Sony-Kameras ist bereits viel geschimpft worden, daher nur so viel: Es wirkt zufällig zusammengewürfelt und aufgrund der Vielzahl an Funktionen verwirrt es immer wieder. Das jede neue Sony Kamera eine andere Anordnung hat macht die Sache nicht einfacher.

Gewicht inkl. Batterie 404g
Max. Verschlusszeit 1 / 4000
Bilder / Sekunde 11 fps
Video-Auflösung 4K (3840 x 2160 @ 30p/24p), 1920 x 1080 (120p, 60p, 60i, 30p, 24p), 1280 x 720 (24p)
Zelt bei Nacht fotografieren unter Sternenhimmel

Video – Filmen Sony A6300

Mit der Sony A6300 habe ich viele Videos für meinen YouTube Kanal gedreht. Dank Autofokus mit sehr guter Gesichtserkennung kann ich mich einfach vor die Kamera setzen und darauf vertrauen, dass der Fokus sitzt. Die Videoqualität ist sehr gut – solange man die Kamera nicht bewegt. Dank diverser Profile kann man auch als fortgeschrittener Filmer seine Wahl treffen. Ich filme meist mit dem Cine-Profil. Mit der Sony App kann man optional auf dem Handy das Bild kontrollieren und einige Einstellungen vornehmen.

Probleme sind jedoch:

  • Kein Kopfhörer-Ausgang
  • Das Display lässt sich nicht nach vorne klappen
  • Keine Bildstabilisierung
  • Überhitzungsproblematik nach ein paar Minuten bei Zimmertemperatur
  • Rolling Shutter
  • Kein Schalter M/AF
  • Cont. Autofokus in Video ohne klare Erkennbarkeit, was denn eigentlich gerade fokussiert wird (die GH5 macht das vorbildlich)

Tipps zum Filmen zeige ich in dem YouTube Video.

Autofokus

Überraschenderweise haben die Sony A6000 und A6300 einen deutlich besseren Autofokus als die A7 II. Erst mit A9 und A7R III hat Sony hier nachgezogen. Bei gutem Licht hat die Sony einen sehr schnellen Autofokus. Dies sowohl bei Single AF, als auch im Sportmodus. Die Kamera ist damit durchaus für die Sportfotografie geeignet – vorausgesetzt man verwendet ein schnelles Objektiv, wie z. B. das 70-200er F4.

In diesem Blogbeitrag hat Anja Kallenbach ihre Erfahrung in der Sportfotografie mit der Sony A6000 geschildert. Auf dem Papier hat die A6300 noch mal nachgezogen, in der Praxis habe ich keine relevanten Unterschiede gemerkt, diesen Punkt aber auch nicht ausführlich getestet. Bei Tageslicht sitzt der Autofokus praktisch immer.

Ganz anders sieht das Bild aber bei wenig Licht aus (Indoor). Rennende Kinder im Wohnzimmer bleiben eine Herausforderung für Kameras in dieser Preisklasse. Nikon hat mit der D7500 z. B. eine Kamera die hier spürbar mehr bietet.

Das manuelle Fokussieren wird von Sony leider nicht sehr gut unterstützt. Zwar bietet die Kamera eine Kantenanhebung, aber die ist entweder unsichtbar (schwach) oder deckt einen zu grossen Bereich ab (stark). Wer einmal mit einer Fujifilm Kamera gearbeitet hat, weiß wie eine gute Umsetzung aussieht.

Sonnenaufgang am Creux du Van im Jura, Schweiz

Bildqualität

Der Sensor der Sony A6000 hat mich schon sehr überzeugt und mit der A6300 wurde noch ein Tick mehr raus gekitzelt. Der hohe Dynamikumfang ist ein Segen für mich als Landschaftsfotograf. Dazu kommt, dass es ein ISOloser-Sensor ist, man also bis ISO 800 getrost deutlich unterbelichten kann, um die hellen Stellen “zu retten”. In der Praxis belichte ich meistens -0.7 und helle bei Bedarf in der Nachbearbeitung auf. Man bekommt genügend Pixel, um auch Portraits leicht nacharbeiten zu können.

Weissabgleich, Helligkeitsmessung und die Wahl von Blende/Verschlusszeit/ISO sind sehr gut umgesetzt. Die Farben kommen sehr nah an Canon heran (subjektive Bewertung). Sonnenaufgänge und nächtliche Lampen in der Stadt neigen dazu einen markanten Gelbstich zu haben. Ein paar Fotos sieht man in diesem Album auf Flickr.

Viele weitere Beispiel-Fotos gibt es in dem Testbericht Review Video auf YouTube.

Sonnenaufgang mit Nebel in Bern
Sony A6300 am Schloss Chillon: 247 Sekunden

Zusammenfassung

Die Sony A6300 bietet auf dem Papier sehr viel: Sehr guter Autofokus, extrem schnelle Bildfolge, gutes Rauschverhalten und Filmen in 4K, sowie in Slow Motion. Das alles in einem winzigen Body, der dank grossem Griff dennoch sehr gut in der Hand liegt. Ergänzt wird das Paket durch eine Reihe durchdachter Apps. Ich nutze die Touchless Shutter und Smooth Reflection häufig, den Timelapse gelegentlich.

Mit den neuen Sigma ART Objektiven gelingt es, den Hintergrund vergleichbar freizustellen, wie mit einer Vollformatkamera. So ist das Sigma 30mm 1.4 Objektiv deutlich günstiger, als das 55mm 1.8 von Sony (das mein Favorit für die A7 Kameras ist). Insbesondere Sigma- und Canon-Objektive lassen sich mit dem Sigma MC-11 Adapter leicht adaptieren und man bekommt, je nach Objektiv, sogar einen brauchbaren Autofokus.

Gegenüber der A6000 hat sich für Fotografen wenig getan. Ich habe die beiden Kameras eine Zeitlang nebeneinander genutzt und in der Praxis keinen relevanten Vorteil gesehen. Für Filmer sieht das anders aus, da stellt sich die schwierige Frage, ob der Aufpreis zur A6500 gerechtfertigt ist. Zumal man damit rechnen kann, dass in 2018 wahrscheinlich noch ein Nachfolger rauskommen wird.

Mich stört, dass die Objektive überwiegend  Focus by Wire haben und weder eine Entfernungsmarkierung, noch einen M/AF-Schalter. Da ich überwiegend auf dem Stativ und häufig im Dunklen arbeite erschwert es mir das Leben sehr. Das ist auch der Grund, warum ich fast ausschliesslich mit dem Samyang-Objektiv arbeite. Mit einem Blick sehe ich, ob ich fokussiert habe. Fujifilm z. B. bietet, genau wie Nikon, wenigstens einen richtigen Schalter zum Wechseln zwischen M/AF an der Kamera.

Egal was man von Haptik und Optik der Kamera denkt: Fest steht, dass die Leistung überzeugt. Viele meiner Lieblings-Fotos der letzten beiden Jahre habe ich mit der A6300 geschossen und ich warte gierig auf einen Nachfolger der A6500 mit besseren Video-Funktionen. Fürs Fotografieren sehe ich überhaupt keinen Grund ein Update zu machen, die Kamera bietet mir mehr, als ich in 95% der Fälle brauche. Mehrere meiner Freunde haben ebenfalls eine A6X00 und es ist meine erste Empfehlung für Einsteiger – mit dem warnenden Hinweis zur Frage nach Objektiven.

Weitere Fotografie-Testberichte gibt es hier im Blog.

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