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Warum arbeiten so viele Fotografen mit einem MacBook?

“Ich überlege mir einen neuen Computer zu kaufen und frage mich, ob es ein Mac werden soll. Viele Fotografen arbeiten ja scheinbar mit Mac, ist der wirklich so viel besser?” Solche Fragen bekomme ich inzwischen mehrfach pro Woche. Die Frage ist aber eigentlich falsch. Die Antwort gibt es dennoch in diesem Artikel. Hier zunächst meine eigene, emotionale, Geschichte. Die wirtschaftliche Betrachtung von Computern allgemein gibt es in einem zweiten Artikel, die Frage was man benötigt, um Lightroom schneller zu machen in einem dritten.

 

Als Fotograf und Digitaler Nomade habe ich immer einen Laptop dabei.

Als Fotograf und Digitaler Nomade habe ich immer einen Laptop dabei.

 

Warum arbeite ich mit einem MacBook?

“Ist da noch frei?” frage ich den Herrn im Anzug im Zweier-Sitz im 1. Klasse Abteil. Er schaut kurz von seinem Dienst-Laptop auf und sein Blick wandert von meinem bärtigen Gesicht über das verschwitzte T-Shirt und die dreckige Wanderhose zu den Stiefeln. Ich sehe, dass er versucht sich nichts anmerken zu lassen. Wir sind in Zürich, im Land der Höflichkeit. “Bitte sehr” sagt er und arbeitet weiter. Ich packe meine Wasserflasche und mein MacBook 12 aus, setze die Kopfhörer auf und beginne mit fliegenden Fingern meine Mails der letzten beiden Tage durchzugehen. In einer Denkpause fällt mein Blick noch mal auf den Laptop gegenüber und ich verkneife mir ein Schmunzeln. Wir sind im Land der Höflichkeit und ich zeige nicht, dass ich froh bin, nicht mit so einer hässlichen grauen Kiste arbeiten zu müssen. Immerhin hat er ein iPhone auf dem Tisch liegen. Wir sind schliesslich auch im Land der Apple Fans.

Sport Fotograf im Fotostudio

Fotografen am MacBook (Foto by Jorge)

 

Ich arbeite seit knapp sechs Jahren mit einem MacBook. Meinen ersten Laptop habe ich als Student beim Aldi gekauft, das muss um 2001 gewesen sein. Danach folgten knapp zehn Jahre Lenovo Laptops für meine Arbeit als IT-Berater. Die Umstellung auf Mac war die ersten Wochen sehr hart für mich. Viele Tastaturkürzel haben nicht mehr funktioniert, den Finder kann ich bis heute nicht bedienen (ich verwende Path Finder) und auch Alt-Tab kriege ich nicht aus meinem Stammhirn für das Wechseln zwischen zwei Fenstern der gleichen Anwendung (cmd + <).

Was aber vom ersten Moment an aufgefallen ist: Die MacBooks sind schön. Und toll verarbeitet. Wenn ich heute am Morgen mit der ersten Tasse Kaffee in der Küche sitze und ein MacBook aufklappe, dann habe ich einfach Freude daran. Am Feeling des Gehäuses. Der Haptik der Tastatur und des Trackpads.

Ich wäre kein Fotograf geworden, wenn ich schönes Design nicht zu schätzen wüsste.

Inzwischen gibt es auch attraktive Windows-Rechner und wir können über Geschmack reden bezüglich welcher “der schönste” ist. Aber niemand wird sagen, dass ein MacBook oder iMac nicht hochwertig verarbeitet sind. Bin ich bereit für Design zu bezahlen? Natürlich.

Ich komme aus sehr einfachen Verhältnissen und lebe unter der Armutsgrenze.

Kein Auto, kein Kino, kein Kantinenessen und alle paar Wochen mal auf ein Bier mit Freunden. Meist trage ich eins von zwanzig weissen T-Shirts, die ich vor Jahren mal beim Aldi gekauft habe. Nur beim Reisen fahre ich konsequent 1. Klasse – weil das für mich billiger ist. Es ist Arbeitszeit und ich bin nirgends so konzentriert, wie im Zug zwischen Bern und Zürich.

Weil ein MacBook vor ein paar Jahren finanziell unerschwinglich für mich gewesen wäre, weiss ich das so zu schätzen. Nicht zum Angeben oder als Statussymbol. Nur für mich. Als Bestätigung, dass ich auf dem richtigen Weg bin und weit gekommen bin von dem armen Studenten aus Lüneburg. Als Student habe ich in einem Computer Laden PCs zusammengebaut, meine ersten Arbeitsjahre mit deutschem Gehalt in Basel gewohnt. Dort bin ich mit dem Fahrrad über die Grenze nach Deutschland gefahren, um beim Aldi einzukaufen, weil die Migros zu teuer für mich war. Das vergisst man nicht.

Peak Design Messenger Bag: Laptop-Fach und Zugriff aufs Hauptfach von oben

Peak Design Messenger Bag: Laptop-Fach und Zugriff aufs Hauptfach von oben

 

Ist ein Mac nicht viel zu teuer?

Die Argumentation ist meist: Ein Mac ist zu teuer, weil man 4.2 GHZ in einem PC billiger bekommt. Meine Gegenantwort ist: Das stimmt so nicht. Ein PC der lautlos ist und nur alle paar Wochen mal abstürzt (meist beim Arbeiten mit einer grossen Excel-Datei) ist nicht mehr billig. Auch wird der Monitor meist rausgerechnet, aber ich kaufe Mac-Produkte auch wegen dem Monitor.

Lautstärke ist ein weiterer Punkt. Mein MacBook 12 hat gar keinen Lüfter, das war für mich ein entscheidender Kaufgrund. Das 15er MacBook Pro lüftet, wenn ich die CPU oder Grafikkarte benutze. Beim Schreiben und Lesen ist es lautlos.

Ein Apple-Produkt ist nicht billig, aber man bekommt auch etwas dafür. Gestern habe ich mir den neuen 27 Zoll iMac bestellt. Ohne ihn mir angeschaut zu haben oder einen Testbericht zu lesen. Ich kaufe keine Speicherkarte, ohne nicht drei Reviews gelesen zu haben, aber einen neuen Computer mit Monitor für 3800 CHF schon. Weil ich weiss, dass ich Top Qualität bekomme. Die gesparte Zeit nutze ich, um diesen Blogbeitrag zu schreiben.

Digitale Nomaden Laptop Berge

Mein Büro ist, wo mein MacBook ist

 

Warum haben so viele Fotografen ein MacBook?

Wer Fotograf oder Designer wird, der weiss Design zu schätzen. Und weiss auch, das gutes Design schwierig ist und mehr kosten darf. Schliesslich möchten wir für unsere Arbeit auch gut bezahlt werden. Es wäre ein Widerspruch zu sagen: “Geiz ist Geil und Design darf nichts kosten!”, wenn man gleichzeitig versucht hohe Rechnungen für die eigene Design-Arbeit zu stellen.

MacBooks haben zudem sehr gute Monitore. Wir können streiten, ob sie die “besten” haben, aber sie sind definitiv gut. Und da wir alle einen Mac-Screen haben, können wir Fotos austauschen und wissen, dass sie beim Partner ähnlich aussehen. In der Theorie haben wir alle kalibrierte Monitore, aber in der Praxis nicht. Ich nutze das kalibrierte Profil nur für den Druck, aber sicher nicht für Online-Publikationen.

Ausserdem werden wir meist pro Zeiteinheit bezahlt. Wenn mein Arbeitsgerät mir die Arbeit leichter macht, dann verdiene ich damit mehr Geld. Und Mac OS ist nach meiner Erfahrung viel stabiler als Windows.

 

Immer synchron

Am Morgen muss ich nicht booten, der Mac ist sofort da. Meine Dokumente synchronisieren zwischen Mac und Laptop? Mit Pages muss ich nicht mal das Dokument zumachen. Ich schreibe am Schreibtisch am iMac und im Zug schreibe ich einfach weiter auf dem MacBook. Null Zeitverlust. Ein auf dem iPhone gemachtes Foto ist wenige Sekunden später auf dem Mac. Die Liste ist lang an kleinen Dingen, die einfach und reibungslos funktionieren. Microsoft kann da gar nicht mithalten. Wenn jeder in seinen PC einbauen kann, was er will, dann ist das Testen unmöglich. Ich bin von Beruf Software Tester und eine Grundregel des Testens ist, dass viele Hardware-Variationen das Testen unmöglich machen (oder jedenfalls unbezahlbar).

 

Ist ein Mac also besser als ein PC?

JaNein. Er ist (arguable) schöner, besser verarbeitet und stabiler. Er steht einem weniger im Weg, weil man weniger an ihm tunen kann. Dafür bezahlt man und diesen Aufpreis möchte nicht jeder zahlen. So wie nicht jeder meinen Stundensatz als Fotograf zahlen möchte. Der Nachbarjunge macht schliesslich auch schöne Fotos und er ist billiger.

Das GO! Magazin hätten wir auf billigem Papier drucken können oder ich hätte auf das teure Design verzichten können. Dann wäre es billiger gewesen. Aber es wäre eben nicht die GO! geworden, sondern nur ein nützliches Heftchen, dass schnell im Altpapier gelandet wäre. Die Käufer bezahlen für das hochwertige Design und die Haptik des Papiers. Weil wir Fotografen sind und schöne Dinge zu schätzen wissen.

Digitaler Nomade bei der Arbeit

Digitaler Nomade bei der Arbeit

 

Juli 9th, 2017|Kategorien: Beruf Blogger, Beruf Fotograf, Beruf Youtube|Tags: , |

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