“Was ist los mit Dir? Du ziehst den ganzen Tag ‘n langes Gesicht und maulst mich ständig an!” Kristina erlebt man nicht oft sauer, aber langsam reicht es ihr. Wir sitzen auf der Terrasse beim Abendbrot und ich brüte schweigsam vor mich hin. “Ich stehe still.” druckse ich schliesslich heraus. “Das Jahr ist halb vorbei und ich habe kaum was geschafft!” Mein Blick wandert in die Ferne, in Gedanken bin ich in meinem Lightroom-Katalog und blättere das letzte Halbjahr durch. In meiner Vorstellung sind da nur Looser-Fotos drin. “Aber das stimmt doch nicht! Du hast super viel gemacht!” Ich wende den Kopf ab und blinzle ein paar Tränen der Verzweiflung weg. “Nein, gar nichts habe ich gemacht. Ich stehe still.”, wiederhole ich leise und verlasse den Tisch.

Es ist einer dieser Tage, wo einem alles über den Kopf zu wachsen scheint. Ich habe den verregneten Sonntag damit verbracht, meine Buchführung zu überarbeiten, mein zu klein gewordenes Büro mal aufzuräumen und mich in Selbstmitleid zu ergehen. Das sind Tage, die man so nicht von aussen sieht. Immerhin bin ich alt genug, um zu wissen, dass es dazu gehört und auch zu wissen, dass es wieder vorbei geht. Wie ich mit persönlichen Krisen umgehe, steht in diesem Blog-Artikel. Ein guter Zeitpunkt, um mal zu schauen, was im letzten Halbjahr gegangen ist.

Selbstständig – Selbst und Ständig am Arbeiten

 

 

Die wichtigsten Dinge sind privat

Die wichtigsten Dinge des Jahres sind mal wieder die privaten. Kristina ist im Februar zu mir gezogen. Zwei Haushalte zusammenzuführen kostet viel Zeit und Nerven und so schön es auch ist, dass wir jetzt zusammen wohnen: Es ist natürlich auch eine Umstellung. Als ich heute Morgen aufgestanden bin, hat ihre Katze, äh, ich meine UNSERE Katze sich erstmal demonstrativ die Krallen am Kratzbaum gewetzt und ist dann zu mir stolziert, hat mir erlaubt sie kurz zu streicheln und dann deutlich gemacht, dass es Zeit für ein Stück Fisch ist. Lachs, wenn es keine Umstände macht!

Ordner aus dem Studium aussortieren

Ordner aus dem Studium aussortieren

 

 

Januar – Besuch bei Calvin Hollywood und Workshop in Traben Trarbach

Im Januar war ich bei Calvin Hollywood zu Besuch und wir haben ein gemeinsames Sport-Shooting gemacht. Es war eine sehr gute Gelegenheit, mal einen ganzen Tag zu reden über Fotografie, Geschäft und Work-Live-Balance. Calvin ist jemand, der länger als ich dabei ist. Er kennt die ganzen Probleme und daher tat es gut, sich mal offen auszutauschen.

 

In Traben Trarbach habe ich mit Klaus ein Workshop-Wochenende verbracht, das erste der Saison. Im Oktober gibt es eine Tournee durch Deutschland. Die Termine stehen bei ihm im Shop.

Stephan Wiesner bei Klaus Reinders

Stephan Wiesner bei Klaus Reinders

 

Februar – E-Books und Workshop Hamburg

Im Februar ist nicht nur Kristina zu mir gezogen, ich war mit Klaus in Hamburg zu einem tollen Workshop bei Frank Fischer im Studio.

 

Ausserdem habe ich das E-Book zum Fotografieren mit Blitz lernen geschrieben. Dabei haben mir viele Leute geholfen, wie z.B. Thomas von Blogografie, der inzwischen ein guter Freund von mir geworden ist.

Buch Portraits mit Blitz fotografieren

Buch Portraits mit Blitz fotografieren

Der Erfolg vom E-Book hat dazu geführt, dass ich bei meinem Arbeitgeber SwissQ Consulting in Zürich gekündigt habe. Keine leichte Entscheidung nach fünf (überwiegend) guten Jahren. Hatte ich im November nach sechs Monaten Auszeit doch noch gesagt, dass ich gerne zurück gehe. Irgendwann kommt aber der Zeitpunkt, an dem man sich entscheiden muss. Man kann nicht auf Dauer zwei Berufe sehr gut machen und meine Gesundheit hat verlangt dass ich mich entscheide. Die ersten fünf Monate des Jahres habe ich also noch zu 80% gearbeitet.

 

März – Eisklettern in der Gletscherhöhle und Workshops in Köln und Göttingen

Auch im März standen Workshops an: Mit Klaus war ich in Köln und Göttingen. Im Anschluss habe ich mein Wissen zur Nachbearbeitung von Portraits in Photoshop in ein Tutorial gesteckt.

Portrait Workshop in Köln und Göttingen

Portrait Workshop in Köln und Göttingen – Einfaches Lichtsetup by Klaus

 

Mit der neu angeschafften Drohne DJI Mavic Pro war ich in einer Gletscherhöhle in Graubünden. Mal wieder mit Bernhard Witz unterwegs.

 

 

April – Geraldine Ruckstuhl, Venedig und Milchstrasse

Im April ging langsam die Post ab. Wir haben mit den Vorbereitungen für das GO! Magazin gestartet, hatten ein gescheitertes Auftragsprojekt in Venedig und ich habe mir ein paar Milchstrassen-Nächte um die Ohren geschlagen und ein Tutorial Video zum Milchstrasse fotografieren lernen erstellt. Ausserdem habe ich mit Ulf Schiller ein grösseres Shooting für die Siebenkämpferin Geraldine Ruckstuhl durchgeführt.

Milchstrasse in Thun am Thunersee in der Schweiz

Milchstrasse in Thun am Thunersee in der Schweiz

 

Witzigerweise habe ich aus dem Venedig-Auftrag sehr viel gelernt und auch wenn der Auftraggeber letztlich abgesagt hat, finanziell habe ich mehr verdient, als er mir gezahlt hätte. Die kleinen Ironien des Lebens.

 

Mai – GO! Magazin und Lawinenunglück

Der Mai stand voll im Zeichen des GO!-Magazins. Viele Nächte habe ich mit meinem Team gechattet, Texte revidiert, Gastbeiträge eingesammelt und die ganzen kleinen Drumherum-Dinge erledigt. Eins meiner Jahres-Highlights ist dann der überwältigende Verkaufserfolg gewesen. Das Vertrauen, dass ihr uns entgegen gebracht habt ist eine sehr starke Motivation und Bestätigung. Ich bin mir sehr bewusst, dass das nicht selbstverständlich ist!

Das Vertrauen von euch gibt mir die Kraft weiter zu machen, wenn ich mal keine Kraft habe.

 

Gasthaus Aescher Wildkirchli

Gasthaus Aescher Wildkirchli

 

Am Simplonpass ist die DJI Mavic Pro Drohne das erste Mal so richtig zum Einsatz gekommen. Auf der Tour sind Tom und ich fast von einer Lawine erwischt worden. Direkt vor uns ist sie aus dem Nichts heruntergekommen. Das sind die Momente im Leben, die ein paar Prioritäten verschieben.

 

Juni – Nikon D7500

Im Juni ist privat sehr viel Bewegung gewesen, nicht alles einfach. Daher bin ich nur relativ wenig zum Fotografieren gekommen. Deswegen hatte ich gestern wohl auch das Gefühl, dass ich “schon ewig nicht mehr auf Tour” war. Ein Highlight war aber sicher die Nikon D7500 (Testbericht).

 

Wasserfall in der Schweiz fotografieren

Wasserfall in der Schweiz fotografieren

 

 

Fazit 2017 erste Hälfte

13.000.000 Minuten wurden meine Youtube Videos im ersten Halbjahr geschaut. 50.000 Likes gab es für diese Videos. So aufgeschrieben haut mich das um. Es gibt so Momente, da sitze ich hier am Rechner und mir fällt die Kinnlade runter. Aber wirklich wichtig ist das natürlich nicht. Auch nicht die 34.000 CHF Aufwand, die in diesem Jahr bereits zusammengekommen sind (in ganz 2016 waren es 30.000). Der Druck der GO! war… nicht ganz billig.

Viel wichtiger sind doch Dinge wie: Neue Freunde gefunden zu haben. Freunde die einem helfen mit den Steuern, der Rechtschreibung oder dem Design. Die einem Polen zeige oder den Harz. Freunde die mit einem fiebern, wenn ein neues Produkt herauskommt oder die sich fotografieren lassen, wenn ich ein Video machen möchte. Freunde mit denen man am Abend mal ein Bier ziehen gehen und übers Leben reden kann. Von daher kann ich also sagen:

Es war bislang ein gutes Jahr 2017!

Und ich freue mich auf eine spannende zweite Hälfte. Die nächsten Monate ist der Kalender bereits voller toller Abenteuer! Es wird spannend bleiben!