Portraitfotografie im Studio ist mit einfachen Mitteln zu realisieren – solange die Füsse nicht zu sehen sind. Sollen jedoch Ganzkörper-Fotos mit Füssen erstellt werden, dann braucht man viel Platz und etwas mehr Hardware. In diesem Artikel zeige ich, wie es mit minimaler Ausrüstung geht. Die Grundlagen der Fotografie mit Blitzen erkläre ich in meinem Blitzen lernen Buch und in den Artikeln hier im Blog. Meine Ausrüstung fürs Heimstudio stelle ich ebenfalls hier im Blog vor.

Das Problem mit Ganzkörperfotos

Solange die Füsse nicht mit auf dem Bild sind, reicht es meist, eine helle Wand zu nehmen und diese anzublitzen. Dafür benötigt man lediglich einen Blitz. Wenn die Füsse aber mit aufs Bild sollen, dann braucht man eine Papierrolle und muss neben dem Hintergrund auch den Boden hell blitzen. Das Titelfoto dieses Artikel zeigt Profi Bodybuilder (damals noch Amateur) Manuel Guyer 2014 bei mir im Wohnzimmer.

Für eine Firma in Bern soll ich Mitarbeiterfotos für Broschüren und Internet erstellen – inkl. Füssen. Dazu habe ich daheim diesen Aufbau vorbereitet: 2 Striplights beleuchten die Papierrolle und eine 150cm Octabox sorgt für gleichmässiges Licht vom Kopf bis zu den Füssen. Die Walimex Striplights (Affiliate Link) sind meine Standardausrüstung und fast bei jedem Shooting im Einsatz.

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Fotostudio in Bern: Portraits mit Blitz

Schrittweiser Aufbau

Wie immer gilt: Schrittweise aufbauen führt zum Erfolg. Hier zunächst nur ein Striplight. Es ist deutlich zu sehen, dass der Blitz noch zu dunkel eingestellt ist und dass ein starker Helligkeitsverlauf auf dem Hintergrund entsteht. Wichtig: Das Striplight ist ohne Grid im Einsatz, daher muss es deutlich hinter der Person stehen, sonst kommt es zu ungewolltem Licht auf der Person. Würde ich den Blitz ohne das Striplight einsetzen, so würde das Licht viel stärker gestreut und ich könnte es nicht wirklich kontrollieren.

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Fotostudio-Bern-Portraits-Blitz

Nehme ich das zweite Striplight hinzu, dann ist der Hintergrund recht gleichmässig beleuchtet. Auch kommt es zu einem leichten Rimlight auf der Schaufensterpuppe. Das ist in diesem Fall gewünscht, andernfalls müsste ich den Blitz etwas drehen oder weiter nach hinten schieben.

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Fotostudio-Bern-Portraits-Blitz

Und schliesslich noch das Hauptlicht. Jetzt wird auch der Boden sehr viel heller. Das 150cm Licht stellt sicher, dass die Personen relativ gleichmässig belichtet sind. Decke, Hintergrund und Wände reflektieren und sorgen für diffuses Licht, in dem auch die älteren Mitarbeiter gut weg kommen werden.

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Fotostudio-Bern-Portraits-Blitz

 

Details und Nachbearbeitung

Mein Probeaufbau daheim nutzt nur so viel. Beim Kunden werde ich wahrscheinlich nicht so eine hohe Decke haben, wie bei mir und auch die Wände werden wahrscheinlich dichter dran sein. Das weiss ich aber erst, wenn ich dort bin. Auch macht es einen Unterschied, ob der Direktor im schwarzen Anzug kommt oder die Auszubildende in heller Hose und weissem T-Shirt. Feinarbeit ist daher bei jeder Person angesagt – aber dann reden wir nur noch von ca. einer halben Blende.

Die Fotos werden nachher ausgeschnitten, daher spielt es keine Rolle, dass die Papierrolle dreckig ist. Wenn die ersten 10 Personen in Strassenschuhen drauf standen würde der Boden eh wieder so aussehen. Auch spielt es keine Rolle, wenn Fussboden und Hintergrund nicht komplett gleichmässig beleuchtet sind – das wäre extrem schwierig hinzubekommen. Wichtig ist einfach, einen hohen Kontrast zwischen Person und Hintergrund zu erzeugen, so dass der Grafiker es einfacher hat, die Person auszuschneiden. Da es nicht um Composings geht blitze ich die Person nicht direkt an und verwende ich keinen grauen Hintergrund.

Ein Teil der Fotos wird nur den Oberkörper der Person zeigen. Entsprechend stelle ich sicher, dass dafür kein Ausschneiden nötig ist. Der weisse Hintergrund kann direkt verwendet werden.