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Wenn der CEO mich nach meiner Freundin fragt

“Arbeitest Du eigentlich überhaupt noch?” Diese Frage wird mir mehrfach die Woche gestellt. Und als mich heute der CEO von SwissQ angerufen hat, war der erste Satz “Ich habe gehört Du hast ne neue Freundin?”

Geheimnisse aus dem Alltag eines Social Media Stars

Der Titel ist natürlich ein Blickfänger. Und nicht wahr. Als Social Media Star sehe ich mich nun wirklich nicht. ABER ich lebe ein (teilweise) öffentliches Leben. In diesem Beitrag schildere ich ein wenig, wie das für mich ist. Wenn DU nicht ein Arbeitskollege oder Student von mir bist und nicht bei einem meiner Kunden arbeitest, dann ist es mir recht egal, dass Du einen Einblick in mein Privatleben kriegst. Das gehört für mich zum “Beruf Youtube Fotograf” dazu. Aber, eben, mein Chef hat mich abonniert und wird sich sicherlich auch manchmal fragen “jetzt ist der Wiesner schon wieder am Facebook posten? Sollte der nicht beim Kunden sein?”.
Sollte ich. Bin ich vielleicht auch. Ich kann einiges automatisieren und z.B. Beiträge planen. Nur weil um 15:00 ein Foto von Geraldine Schnidrig erscheint, heisst das nicht, dass ich am Monitor klebe und ihren Körper im #Photoshop vergeblich nach Makeln absuche. Das habe ich heute Morgen um 5 beim ersten Kaffee gemacht (ja, ich weiss, was die 95 männlichen Fans jetzt denken). Um 15:00 sass ich statt dessen in einer Marathon-Sitzung im Büro.

Es ist nicht so, wie es aussieht

Meine Kollegen sehen die schönen Seiten. Die jungen Tänzerinnen, das Posten um 15:00, die Sonnenaufgänge. Sie sehen nicht, dass ich oft schon um 06: im Büro bin, damit ich um 17:00 gehen und ein langweiliges #Bewerbungsfoto machen kann – um dann noch bis um 19:00 am Compi zu hängen, um dann noch ne Stunde Mails zu beantworten. Das ist durchaus ein Problem. Da habe ich schon mal mit Neid zu kämpfen. Oder muss mich rechtfertigen. Verständlich.
(#Trailrunning mit Nicolas Hojac, Sony A6000)

Der Feind hört mit

Neulich hatte mich #Samyang DE kontaktiert, ob ich alle ihre Objektive zum Testen haben möchte. Ihr wart begeistert – ich auch. Leider habe ich nach dem “wir schicken sie Ihnen zu” nichts mehr gehört und sie reagieren auch nicht auf Nachfragen. Stattdessen haben andere Youtube Fotografen jetzt Reviews dazu gemacht. Zufall oder Zusammenhang? Das weiss ich nicht. Und ob das gut oder schlecht für euch ist mögt ihr selbst beurteilen. Das mein Stil von Reviews nicht immer gut bei Herstellern ankommt, bin ich ja inzwischen gewöhnt.
Wenn ein Alexander Steger Art oder eosAndy meine Fotos kommentieren, dann habe ich da natürlich Freude dran. Das ist ja auch ein Zeichen der Anerkennung und ich schätze die Arbeit von beiden. Bei anderen Fotografie-Kollegen hätte ich natürlich lieber, dass sie nicht so mitbekommen, was ich treibe.
(Fuji XT-1 vs. Sony A6000 Kamera Review Video)

Innensicht vs. Aussensicht oder: Ich bin kein alter Sack

Das Charmante an meinem öffentlichen Leben ist, dass ich mich ein wenig selbst zu dem machen kann, der ich sein möchte. Grundlagen der #Psychologie: Das berühmte “Was soll auf Deinem Grabstein stehen”. Bei mir jedenfalls nicht “Stephan war nett” oder “Stephan hat das Leben aus vollen Zügen genossen”.
Um mir einen Ruf aufzubauen – werde ich diesem gerecht. Wenn ich als Diszipliniert gelten möchte – dann bin ich es auch. Weil ich öffentlich behaupte, dass ich es wäre. Der Trick ist: Sich selbst ein klares Zielbild zu beschreiben. Das mache ich tatsächlich. Neben meinem Badezimmerspiegel hängt ein zweiseitiger Ausdruck mit Zielen und meinem Ziel-Selbstbild.
Das Fotografieren hält mich nicht nur geistig jung, es gibt mir auch im Sport Kraft. Es kommt immer öfter vor, dass ich denke “hey, für Mitte 40 bin ich fit” oder “ich darf die Packung Kekse essen, für Mitte 40 bin ich dünn”. Ja. Bin ich. Aber nur, weil ich dann denke “jaaa, okaaayyy, einer geht schon noch”. Ein Satz Bankdrücken, nicht eine Portion Kekse. Weil es zu meinem Image gehört, dass ich fit und aktiv bin. Ein guter Teil meiner Selbstdisziplin kommt tatsächlich von Facebook.

Wir sind nicht allein

Zurück zum Anfang der Geschichte: Ich habe jetzt nicht mehr nur an mich zu denken. #Wonderwoman hat einen anständigen Beruf und nicht unbedingt Freude daran, dass ihre Arbeitskollegen mitbekommen, wo wir so alles unterwegs sind.
Und da nicht jeder so nett ist, wie DU, muss sie auch ein wenig ein dickes Fell entwickeln. Denn irgendwer muss zu jedem Foto einen blöden Spruch machen, der weh tut. Egal ob es als “konstruktive Kritik” gemeint war.
Das ist im Zwischenmenschlichen eine grössere Challenge, als man vielleicht denkt. Ich habe privat schon Freunde verloren, weil sie nicht mit dem Image umgehen konnten, welches ich öffentlich zeige.
(Einen Moment abschalten im Urlaub in Irland)
Facebook und Youtube sind ein fester Bestandteil meines Lebens. Ich mache keinen Urlaub, wenn ich nicht weiss, wo ich Online gehen kann. Das Fotografieren gibt mir viel. Aber es fordert halt auch viel. Ein zweischneidiges Schwert also
(Ingo Schneider Fotografie, Bern ist irgendwie auch ein #Samurai)
Juni 1st, 2016|Categories: Beruf Fotograf, Fotografieren Lernen|Tags: , , |

2 Comments

  1. Florian Krammel 8. Januar 2017 at 21:11 - Reply

    Lieber Stephan,

    diese Gedanken sind absolut Klasse und es spiegelt Ehrlichkeit und „Schneid“ wider. Danke dafür und ebenfalls dafür, daß Du einen solchen Einblick zulässt. Viel Erfolg auf jeden Fall bei all Deinen zukünftigen Youtube Arbeiten und noch mehr Erfolg als, was Du eh schon bist, Fotograf der besonderen Art.

    LG

  2. Josef Töller 24. Dezember 2016 at 13:00 - Reply

    Mich beeindruckt, wie Du mit dem Thema umgehst. Bleib gesund, munter und gelassen. LG Josef

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