Tausende Kommentare zu meinen Beiträgen auf Youtube, Facebook und Instagram prasseln jeden Monat auf mich ein. Dutzende persönliche Messages und Mails jeden Tag. Viele davon enthalten Fragen. Wie Du Antworten auf Deine Fragen (nicht nur von mir) bekommst, verrate ich in diesem Artikel.

 

Grundsatz der Kommunikation: Ich bin nicht Du

Wenn Du etwas von jemandem möchtest, dann wirst Du mit hoher Wahrscheinlichkeit erfolgreicher sein, wenn Du Dir die Mühe machst, Dich kurz in die andere Person hineinzuversetzen. Und dann angemessen kommunizierst. Zielgruppengerechte Kommunikation nennt man das. Das kann sich auf die Verwendung von Fachbegriffen beziehen, aber auch auf Umfang und Präzision.

Konkret: Wenn Du mir schreibst, dann nimmst Du Dir Zeit. Bei einem Glas Bier schreibst Du munter drauf los, erzählst aus Deinem Leben, hängst ein paar Fotos an, stellst die eine oder andere Frage im Text. Dann beendest Du den Brief mit einem aufmunternden “was meinst Du dazu?”.

Wenn ich diese Kurzfassung Deines Lebens erhalte, dann ist es mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit 05:07, ich bin noch beim ersten Kaffee, habe schon 30 Kommentare gelesen und kann nicht eher zur Arbeit fahren, als dass nicht noch 20 Mails beantwortet sind. Deine Erwartungshaltung ist jetzt, dass ich Dir ausführlich antworte. Mein Wunsch ist es, Dir zu helfen – aber mit stark begrenztem Aufwand.

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Masse oder Klasse – Warum antworte ich immer so knapp?

Ich kann nur eine fixe Zeit pro Tag in die Kommunikation mit euch stecken. Entweder höre ich irgendwann auf Mails zu lesen/beantworten und nehme mir für einige wenige Zeit – oder ich versuche allen die gewünschte Information zu liefern – und halte mich dafür knapp.

Ideal für mich (und auch für Dich): Stell mir sinnvolle Fragen. Wenn Du mich fragst “Was ist besser: Kamera A oder B”, dann kann ich darauf nicht antworten. Dann bekommst Du höchstens ein “Sorry, ich mache keine 1-1 Kaufberatung”. Das verschwendet Deine und meine Zeit und Du bist womöglich nachher noch sauer (passiert leider sehr oft).

Formulierst Du hingegen eine präzise Frage, dann versuche ich auch sinnvoll zu antworten. Selbst wenn die Antwort dann meistens nur lautet: “Dazu gibts ein Video von mir”. Das kannst Du jetzt in meinem Kanal suchen gehen, oder ich. Da ich ein Egoist bin – delegiere ich das auf Dich.

Wenn Du Dir Mühe gibst, die Frage präzise und kurz zu stellen – hast Du die Antwort meist schon. Die allermeisten Fragen sind in der Art “welches ist die beste Kamera für mich” und darauf kann ich nicht antworten. Wenn Du aber die Kriterien aufschreibst, die für DICH wichtig sind – dann hast Du die Antwort doch schon.

Praxisbeispiel

Gerade kam eine Frage rein: “Ich verwende das Kit-Objektiv an der Sony A6000. An sich bin ich ganz zufrieden, aber langsam möchte ich ein weiteres Objektiv haben. Hast Du einen Tipp für mich”

Das Praxisbeispiel zeigt das Problem. Ich kann darauf keine sinnvolle Antwort geben. Auch gebe ich nicht/sehr ungern Antworten auf die Frage “welches Objektiv für den Einsatz als XXX kannst Du mir empfehlen”. Besser: “Welches Weitwinkel-Objektiv verwendest Du an der Sony A6300?” Wenn Du die Frage so formulierst, kann ich eine präzise Antwort geben (Samyang 12mm) – aber damit hat sich die Frage schon erübrigt. Ein kurzes Blättern durch mein Instagram oder Facbeook zeigt Dir genau das. Schneller, als auf meine Antwort zu warten. Und wahrscheinlich gibt es auch ein Review Video dazu von mir, wo ich erkläre, warum ich es gekauft habe und was ich damit mache.

 

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Meine Antwort ist häufig nicht das, was Du hören möchtest

Immer wieder erlebe ich es, dass Leute sauer reagieren, wenn ich antworte. Ich bin sehr lösungsorientiert. Wenn Du mich fragst: “Hast Du das Sony 70-200 F4”, dann antworte ich mit “nein”. Frage beantwortet, next one please. Fällt mir dann immer etwas schwer, zu verstehen, warum man darauf angesäuert reagiert. Ich hätte auch schreiben können:

“Lieber Peter, leider muss ich Dir mitteilen, dass ich besagtes 70-200 F4 nicht besitzen. Ich hoffe Du verstehst, dass ich nur ein begrenztes Budget habe und nicht alle Kamera-Objektiv-Kombinationen in meinem Wohnzimmer liegen haben kann. Ganz lieben Gruss, ich drücke Dich und wünsche Dir alles Gute im Leben, Dein Stephan”

Das könnte ich, aber warum möchtest Du das lesen? Und wo liefert die Antwort mehr Informationen? Sorry, wenn ich da zu sehr Informatiker bin. Ich denke gerne binär: Ja, nein, eine Zahl – DAS sind präzise Antworten!

Der andere Fall ist: “Konntest Du Objektiv XXX schon testen? Ich finde das super toll!” Und Du meinst damit, dass Du lange recherchiert und mit Dir gerungen hast. Dann hast Du Dein Sparschwein geschlachtet, Oma etwas aus der Handtasche geklaut und es Dir gekauft – und möchtest jetzt von mir Bestätigung, dass es die richtige Wahl war”. Das mag für Dich auch stimmen. Meine Meinung – und es ist immer eine Meinung – kann aber anders sein. Und ich antworte vielleicht “Cool.  Ich bin mit Objektiv YYY aber mehr als zufrieden. Kostet nur die Hälfte, ist bei wenig Licht besser und auf F8 sieht man keinen Unterschied. Gruss, Stephan”

Und dann werde ich beschimpft, dass ich keine Ahnung hätte oder erhalte im besten Fall ein “naja, jeder kann seine eigene Meinung haben” und dann sehe ich, dass ich einen Facebook Follower weniger habe. Grmph. Ehrlich währt halt doch nicht am Längsten.

 

Die Lösung nicht zu antworten ist keine Lösung

So unter uns, ganz ehrlich? Es kommt immer öfter vor, dass ich NICHT antworte. Um Ärger aus dem Weg zu gehen, oder weil es mich nervt, zu schreiben “die Frage hat keine Antwort”. Das ist schade – für uns beide. Denn ich bin (meistens) ein netter Typ, der gerne hilft.

Was mir sehr oft geschrieben wird ist etwas in der Art “Du bist einer der wenigen Grossen, die wenigstens antworten”. Und selbst erlebe ich es auch häufig, dass meine Fragen/Kommentare bei anderen bekannten Fotografen nicht beantwortet werden. Auch wenn ich Leute persönlich anschreibe, z.B. um zu fragen, ob wir mal zusammenarbeiten wollen, erhalte ich häufig keine Antwort oder erst nach Tagen. Ich bemühe mich, das besser zu machen – soweit das halt geht.

 

Der krasseste Fall – bis jetzt

Einen muss ich zum Schluss noch erzählen. Ein Student hat mich angeschrieben. Für seine Abschlussarbeit sollte er eine Zeitschrift layouten und wollte eine Sportzeitschrift machen und dafür meine “besten Sportfotos in voller Auflösung” verwenden. What?!

Ich stand gerade am BHF, als die Mail kam und habe auf dem Handy in etwa geantwortet: Sorry, das kann ich nicht machen”.

Darauf hin hat er mich ganz böse angefahren, wie schlecht ich kommunizieren würde und im wesentlichen gesagt, dass ich ein super Arsch wäre.

What?!

Ich habe ihn dann höflich gebeten, noch mal zu überdenken, wie er reagiert hat und mal einen der anderen Youtube-Fotografen anzuschreiben. Ich bin mir sicher, auch dort hätte er eine Absage erhalten. Vielleicht höflicher formuliert, aber dafür nicht innerhalb von Minuten.

Für mich ist schnell und präzise besser, als langes Warten und Floskeln. Aber, ja nun, das bin nur ich…

 

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Triathlon Sportfotograf Schweiz – Bern