Im Freundeskreis werde ich häufig gefragt: “Wie hast Du es geschafft Fotografieren zu lernen?” Die einfache Antwort ist: “Mit harter Arbeit”. Das ist richtig, aber natürlich nur ein kleiner Teil der Wahrheit. Hier ist die ganze Geschichte.

Fotografieren ist ein Handwerk

Natürlich hat es auch eine künstlerische, kreative Komponente, aber ich bin der lebende Beweis, dass man mit sturer Willenskraft sehr weit kommt. Es mag nicht so offensichtlich sein, aber, so unter uns: Ein langhaariger Künstler-Typ bin ich nicht.
Mein Talent ist es, sehr sehr hart zu arbeiten. Die Standardantwort ist dann “Ich brauche nicht hart zu arbeiten, ich arbeite smart.” Worauf ich antworte “Ich arbeite hart UND smart, und jetzt?”

Was ist der smarte Weg?

Was ich jahrelang versucht habe und nicht funktioniert hat: Bücher. Ja, natürlich gibt es gute Bücher zu einzelnen Themen, insbesondere zu Photoshop und Co. Aber niemand wird ein guter Fotograf, in dem er die Top 20 Foto-Bücher bei Amazon kauft (und liest). Mir jedenfalls hat ein Regal voller Fotobücher jahrelang (fast) nichts gebracht.
Mir haben zwei Dinge geholfen: Videos und Heidi, meine Schaufensterpuppe. Sie hat mich gelehrt, dass ICH Schuld habe, wenn ein Foto nichts wird. Sie hat mich gedemütigt und erniedrigt. Sie hat mich oft am Boden zerstört abends verzweifelt am Mac sitzen lassen.
Aber Schritt für Schritt habe ich verstanden, was ich da mache. Videos schauen, ausprobieren und dann das Wichtigste: Analysieren, was nicht geklappt hat. WARUM ist das Foto nicht so, wie es sein sollte? Und dann EINE Komponente ändern. Und erneut analysieren. Ist es besser? WARUM ist es besser? Was muss ich noch ändern, dass ich dem Zielfoto näher komme? Dann noch mal versuchen. Bis es reproduzierbar ist.

Spass im Team

Landschaftsfotografie kann man als Lone Ranger betreiben. Selfies bringen einen nur so weit. Irgendwann muss und will man Menschen fotografieren. Und am besten im Team.
Mit Freunden wie Ingo Schneider, Schiller Photo, Mel Weber – tiefblicke.ch und Klaus Reinders macht Fotografieren nicht nur mehr Spass, man kommt auch schneller voran. Im intensiven Austausch lernt man voneinander.
Teamwork erlaubt es auch, Shootings zu machen, die man alleine nicht kann.
(Ich habe Friends in High Places)
Was Freunde einem nicht abnehmen können: Das dran bleiben. Das Training. Immer wieder Ideen haben, Dinge ausprobieren. Mich, mein Wissen und meine Ausrüstung ans Limit bringen. Damit kommt man weiter. Und wenn niemand anders da ist, trete ich mir halt selbst in den Hintern!
(Selfie hoch fünf)

Wie bleibt die Motivation am Leben?

In meinem speziellen Fall hilfst DU mir mit Deinen Likes und (positiven) Kommentaren. Letzten Endes sind es aber meine Models, mit denen ich zusammenarbeite, die sich an den Fotos freuen. Wenn Fabienne König zum X-ten mal zu mir zum Shooten kommt, dann ist das letztlich die wirkliche Bestätigung.
Heute hat Geraldine Schnidrig angefragt, ich nicht mal wieder Lust auf ein Studio Shooting hätte. Tss, was für eine Frage. Natürlich haben wir gleich einen Termin gemacht!
Ich brauche Herausforderungen und Abwechslung. Andere brauchen Beständigkeit. Das muss jeder für sich selbst herausfinden, was sein “Kick” ist. In meinem Fall arbeite ich gerne mit engagierten Sportlern zusammen – weil die genauso viel Passion haben wie ich. Das hält mich jung, gibt mir auch Kraft fürs nächste Training. Noch bin ich nicht so alt, dass ich nicht mehr mit “den jungen Leuten” mithalten kann 🙂
(Abzug in der Haltungs-Note mache ich weg, in dem ich viel Bein zeige)

Setz Dir Ziele, welche Dich leicht überfordern

Im Flow arbeitet man dann, wenn man an der Leistungsgrenze ist. Das macht Spass. Aber man kommt damit nur soo weit. Sportler wissen: Um zu wachsen muss man seine Muskeln überfordern. Nicht ständig und nicht zu sehr. Ab und an leicht über dem, was man für möglich hält trainieren, damit macht man schnell Fortschritte.
(Klettern und Fotografieren in Südfrankreich)
Schreib Dir konkrete, messbare Ziele auf. Egal ob es Zielfotos, Wachstum auf Facebook oder die neue Kamera ist. Wenn Du es aufschreibst, wird es von der Vision zum Ziel und der konkrete Plan ist schon in Sichtweite. Und setz Deine Ziele hoch. So hoch, dass Du es für erreichbar hältst, aber so, dass Du Dich kräftig strecken musst!
Siehe dazu auch mein Video: Zielerreichung mit der SMART Methode

Was würde ich heute anders machen?

Wenn ich so über die letzten drei Jahre durch meinen Lightroom-Katalog blättere, dann überlege ich natürlich schon, was ich besser hätte machen können. Was hätte mich schneller zum heutigen Stand bringen können?
Ganz klar: Einzelcoachings. Wer bei mir ein Einzelcoaching bucht, der macht einen Riesen-Sprung an einem Tag. Er bekommt einen Grossteil meines Wissens in wenigen Stunden vorgesetzt. Denn letzten Endes ist Fotografieren nicht schwierig. Viel “Wissen” ist da eigentlich nicht dabei. Ohne Ausnahme höre ich am Ende des Tages etwas wie “ich wusste nicht, dass ich solche Fotos machen kann!” worauf ich antworte “Das konntest Du heute Morgen auch noch nicht!” 🙂
Was ich nicht an einem Tag bieten kann ist die Routine, das Training. Aber neben vielen kleinen Detail-Tricks kann ich das Selbstbewusstsein stärken. Den Mut schaffen, eigene Shootings auf die Beine zu stellen.

Was hat mir am meisten geholfen?

Auch klar: Meine Youtube Videos. Um etwas erklären zu können, muss ich es selbst (halbwegs) verstanden haben. Sie haben mir die Motivation gegeben, auch die Dinge zu lernen, die mich eigentlich nicht interessieren und immer wieder zu hinterfragen, ob ich wirklich verstanden habe, was ich zu wissen glaube.
Und dann halt die vielen Selfie-Projekte. Ohne Druck und mit viel Spass Serien von Fotos zu machen. Denn, das ist mein Schlusswort: Ein guter Fotograf ist jemand, der reproduzierbare Ergebnisse liefert. Jeder kann mal “das eine gute Foto” schiessen. Aber nur wer es reproduzieren kann, weiss auch, warum er was gemacht hat.