Das Landschaftsfotografie-Tutorial Buch erscheint zum 31.10.2016 auch in gedruckter Form. Wie ich vom Word-Dokument auf meinem Mac zum Buchhändler bei Dir um die Ecke gekommen bin erkläre ich in diesem Blogbeitrag.

Von der Idee zum eigenen Buch

Am Anfang steht die Idee. Und egal ob mit oder ohne Verlag: Wer keinen Ghost-Writer engagiert muss das Handwerk des Schreibens ein wenig beherrschen. Die Buchempfehlung: Writing Active Hooks Book 1: Action, Emotion, Surprise and More hilft z.B. interessant zu schreiben. Denn heute ist der Inhalt nur bedingt wichtig: Wir wollen unterhalten werden, wir haben eine kurze Aufmerksamkeitsspanne und niemand liest langweilige Bücher – egal wie gut der Inhalt sein mag. In dem Blogbeitrag „Pleiten, Schweiss und Tränen – So ist das Landschaftsfotografie Buch entstanden“ beschreibe ich ein wenig, wie das lief mit dem Schreiben von meinem Landschaftsfotografie Buch.

In der Praxis ist es allerdings durchaus so, dass Idee und Umsetzung mit dem Verlag besprochen werden. Ich habe bereits mehrere Bücher geschrieben und auch mehrere Anfragen und Vorgespräche zu verschiedenen Themen geführt. Die Mitarbeiter vom Verlag kennen sich (hoffentlich) gut mit ihrem Geschäft aus und geben wertvollen Input. Eine Buch-Idee mag gut sein – aber nicht (wirtschaftlich sinnvoll) verkaufbar oder das Thema muss evtl. zumindest angepasst werden.

Wie findet man einen Verlag?

Die einfache Antwort ist: Entweder man wendet sich selbst an mögliche Verlage oder man wartet, bis man angesprochen wird. Ich habe beides schon gemacht. 2003 habe ich am Ende von meinem Wirtschaftsinformatik Studium ein grosses Tutorial zu einer Java-Thematik geschrieben. Darauf hin hat mich der Galileo Verlag angesprochen, ob ich nicht ein Buch draus machen möchte. Wollte ich und es war dann in der Tat ein Bestseller mit EN-Ausgabe. Beruflich war es mir die nächsten Jahre dann aber nicht möglich, das weiter zu verfolgen. Die erste wichtige Aussage: Man verdient meist so im Bereich 4-5% vom Verkaufspreis – wenn man gut verhandelt. Solche Fachbücher verkaufen sich vielleicht 1-3000 mal, entsprechend kommt da kein Monatslohn für einen Informatiker zusammen. Finanziell ein schlechtes Geschäft.

 

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Mein Büro ist wo mein MacBook steht

Auch zur Fotografie wurde ich schon von Verlagen angesprochen. Wegen der niedrigen Marge und der Einschränkung in der inhaltlichen Freiheit habe ich das aber bislang abgelehnt. 95% Marge an andere abzugeben ist nicht meine Vorstellung von fairer Verteilung. Dazu kommt, dass ich, ähm, hüstel, nicht der einfachste Mensch bin. Ich neige z.B. dazu zu denken, dass ich wüsste, was ich hier mache. Manchmal stimmt das, aber nicht immer. Wenn der Verlag dann A machen möchte und ich denke B wäre besser, dann bin ich nicht immer harmoniebedürftig, wie mein Chef mal gesagt hat.

Diesen Sommer war die Situation aber andersherum: Ich hatte einen Bestseller vorzuweisen und brauchte einen Verlag für die gedruckte Version. Dadurch fällt ein Teil der Dienstleistung des Verlags weg – aber nicht alles. Lektorat, Layout, Marketing, Logistik, etc. Das sind Themen, die ich nicht alleine lösen kann und für die ich einen Partner brauche.

Wenn Du also eine tolle Idee hast und denkst, dass Du gut schreiben kannst, dann schreib ein paar Verlage an. Sie haben eine „Autor werden Seite“ mit einem Kontaktformular. Voraussetzung ist meist ein grobes Inhaltsverzeichnis, sprich: Mach Dir konkrete Ideen zu Umfang und Inhalt. Dann kannst Du evtl. mit einer Fachfrau diskutieren, ob Dein Werk eine Marktchance hat und was rein sollte.

Der Selbstverlag ist nur selten eine Option

Wenn 5% Marge unfair klingt, dann sollte der Selbstverlag die ideale Lösung sein. Aber das wird nur für wenige eine Option sein. Das beste Buch nützt dem Autor nichts – wenn niemand es findet. Ich habe eine breite Fan-Basis, auf der ich das Buch bewerben kann. Ohne geht es in der Flut neuer Bücher unter, wenn es nicht ein sehr spezielles Randthema ist – für das es dann wieder nicht so viele Leser geben wird. Herausfinden wie man das Buch auflegt, die Formatierung, etc. bleiben bei Dir hängen. Das ist eine rechte Menge Arbeit, mehr als Du wahrscheinlich denkst. Wie sieht Dein Kapitel 5 auf dem iPad aus? Wie auf dem iPhone 4S? Und wenn Du selbst drucken lässt, dann wird es noch komplizierter. Welches Papier, welches Format, wie war das noch mal mit den Seitenumbrüchen und Schusterjungen, etc.

Ein Lektorat kostet in DE in der Grössenordnung 1500 EUR, wenn man das von einem Freiberufler machen lässt. Ist mir unerklärlich, wer das macht, scheint aber gezahlt zu werden. Das ist mehr als die meisten Autoren verdienen werden – für sehr viel weniger Arbeit. Andererseits habe ich eine ganze Reihe Mails mit Hinweisen zu Tippfehlern erhalten – einschliesslich dem angeblich falschen scharfen s (gibt es in der CH nicht) und dem Hinweis, das Beat doch sicher Beate heissen würde (nein, Beat ist ein Mann). Rechtschreibfehler führen leider auch zu negativen Bewertungen. Ein Verlag kümmert sich darum.

Wenn Du Dein erstes Buch schreibst, wer liest es Korrektur? Nicht nur inhaltlich, sondern auch im Sinne von flüssig geschrieben, verständlich, interessant, etc. Das ist gar nicht so einfach, denn nahe Freunde werden Dir a) nicht zwingend ihre Meinung sagen und b) mit der Materie schon gut vertraut sein. Tausend Blog-Beiträge sind eine gute Schulung dafür. Zehn wahrscheinlich nicht.

Und nicht zu vergessen: Ein Buch im Springer-Verlag zu veröffentlichen sieht im Lebenslauf sehr viel besser aus, als eins im Selbstverlag. Wenn man schon kein Geld verdient, dann möchte man es vielleicht für Ruhm und Ehre machen. Ich z.B. habe mit meinem Struts-Tutorial-Java-Buch nicht wirklich Geld verdient – aber in meiner ersten Gehaltsverhandlung nach dem Studium habe ich das locker wieder reinbekommen.

Wegweiser-Trekking-Norwegen-Nationalpark

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Wenn Du ein wenig recherchierst, dann findest Du heraus, dass Amazon bis zu 70% Marge zahlt. Das ist aber eine Mogel-Angabe. In Wirklichkeit ist es sehr viel weniger, insbesondere für uns Fotografen. Den Download zahle ich. Je mehr Fotos, desto teurer entsprechend das Buch. Ein reines Text-Buch hingegen kann durchaus eine Marge von über 50% erreichen.

Warum bin ich beim mitp-Verlag gelandet?

Mein Landschaftsfotografie Tutorial Buch erscheint im mitp-Verlag. Im Vorfeld habe ich natürlich mit mehreren Verlagen gesprochen und verhandelt. Finanziell macht das nicht viel Unterschied. Die Verlage sind genauso Opfer des Systems, wie ich. Der Einzelhandel bzw. Amazon nimmt bis zu 50% vom Verkaufspreis, das Drucken ist teuer, Steuern, da bleibt nicht viel über. Ob ich nun 6 oder 7% vom Verkaufspreis bekomme (vor Steuern) macht bei zweitausend Büchern keinen grossen Unterschied.

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Verlage haben ein Verlagsprogramm und in das muss mein Buch hinein passen. Da es schon fertig geschrieben war hat es entsprechend nicht zu jedem Verlag gepasst. Insbesondere meine lockere Schreibweise mit einem Du-Ansprechen des Lesers ist auf wenig Gegenliebe gestossen. Und ich bin Mann, Mitte 40, also stur und ändere das nicht. Ich denke, dass es wesentlich zum Erfolg beiträgt, denn es hilft den „ich stehe hinter Dir und coache Dich“ Charakter des Buchs zu erzeugen.

Mit dem mitp-Verlag habe ich einen Partner gefunden, der mir die Freiheit gibt, die ich brauche. Und glaub mir, ich habe mich mit meiner Partnerin im Verlag ein paar mal, ähm, sagen wir… geeinigt.

Neben dem Preis geht es im Vertrag natürlich auch um die Rechtliche Situation. Hier lohnt es sich, den Vertrag gründlich zu studieren und an Morgen zu denken. Standardmässig sollte ich z.B. das nächste Buch auch bei mitp schreiben. Da habe ich nicht prinzipiell ein Problem mit, aber ich möchte die Freiheit haben, auch das zunächst als E-Book rauszubringen und ein wenig Geld damit zu verdienen.

 

Fazit

Ein Fachbuch schreibt man wegen dem Schreiben, nicht wegen der grossen Kohle. Es gibt sehr erfolgreiche Fachbuchautoren zu populären Themen (Diät z.B.), aber Fotografie-Einführungsbücher gibt es bereits sehr viele und alle weiteren Themen haben eine eher kleine Zielgruppe. Ein Verlag wird für Anfänger im Schreiben wohl die bessere Wahl sein und kann sehr viel Arbeit abnehmen. Mehr als Du im Vorfeld wahrscheinlich glaubst. Auch übernimmt der Verlag das Marketing. Bereite Dich auf Deine Anfrage vor und hab zumindest schon ein Inhaltsverzeichnis zum Vorzeigen.

Ein gedrucktes Buch ist etwas anderes, als ein E-Book. Erst gedruckt ist es „ein richtiges Buch“. Nur das kann man verschenken, signieren und ins Regal stellen. Für mich war es die Mehrarbeit definitiv wert!

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