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Zelt bei Mondlicht im Binntal

“Wir müssen umdrehen!” schreie ich Stine ins Ohr. “Lass uns noch über die Kuppe dort vorne schauen, da ist bestimmt eine Mulde!” schreit sie zurück. Es ist bereits kurz vor sechs am Abend und wir stehen auf 2500m Höhe kurz vom Saflischpass im Binntal im Wallis im Sturm. Das SLF hat die Lawinenwarnung “erheblich” rausgegeben. Kein guter Zeitpunkt, um das Zelt aufzuschlagen.
(Traversierungen auf Schneeschuhen sind immer fies)
Im Rucksack habe ich die Sony A6000 und A6300 mit dem Ziel, heute Nacht Sterne zu fotografieren und die beiden Kameras bei Low-Light-Extreme-Situationen zu vergleichen. Aufgrund des erneuten Wintereinbruchs in der Schweiz und der Lawinensituation haben wir uns für die eigentlich harmlose Tour zum Saflischpass entschieden.
(Start am Mittag in Binn bei bestem Wetter)
Die Schneegrenze erreichen wir erst auf 2000m Höhe. Ab dort gilt es immer wieder unangenehme Traversierungen zu bewältigen. Der Schnee ist leicht angefroren-sulzig. Mal hält er gut, mal rutscht man weg. Wir überqueren die Schneefelder nur einzeln. Immerwieder blicke ich sorgenvoll nach unten. Wenn hier ein Schneebrett abgeht, wie schlimm ist es dann?
Dazu wird der Wind immer stärker. Wir können nur noch vornübergebeugt gehen, die Kapuze über die Ohren gezogen. Dennoch: Wir gehen weiter, denn der Wetterbericht hat Beruhigung am Abend versprochen – und wir geben nicht leicht auf.
(Es hat einen Grund, dass wir die Einzigen sind, die unterwegs sind…)

Abbruch auf 2500m

Der Pass ist schon in Sichtweite, aber es geht noch einen längeren Steilhang hoch und mir ist die Sache nicht mehr geheuer. “Wir brechen ab, das kommt nicht gut!” schreie ich Stine an. Sie nickt und mit dem Wind im Rücken versuchen wir im Schnee ungefähr auf dem Wanderweg zu bleiben. Zurück auf der Aufstiegsspur ist mir zu heikel, wir versuchen die Höhe zu halten und eine Fahrstrasse zu erreichen, die wir im Aufstieg gesehen haben. Die Schatten werden immer länger und die Baumgrenze will nicht näher kommen!
(Gegen Abend: Das Panorama ist unglaublich schön, hinter den Bergen liegt Italien)
Schliesslich finden wir eine kleine Mulde ohne Schnee. Zelt aufbauen, Schnee schmelzen und: Frieren. Leider haben wir keine Abendsonne. Nach dem Abendbrot gehts daher direkt in den Daunenschlafsack. Die Temperatur ist deutlich unter null Grad und noch immer Pfeift der Wind. Den Wecker stelle ich mir auf 23:00 Uhr und döse bibbernd ein.
(Wie beim Militär: Die mittlere Nachtwache ist die eklige)

Mond und Sternenhimmel

Grade bin ich richtig eingeschlafen, da reisst mich mein iPhone aus dem Schlaf. “Bist Du parat?” frage ich Stine, sie grummelt etwas, dass ich nicht verstehe. Wird schon “Ja” geheissen haben. Daunenjacke und Handschuhe ziehe ich schon im Schlafsack an, Hose und Mütze hatte ich gar nicht erst ausgezogen. Dann gehts raus in die Kälte. Wegen dem Wind beschwere ich das Stativ mit dem Rucksack, sonst würde es im Wind zu sehr wackeln.
(17kg Ausrüstung für Landschaftsfotografie in den Alpen)
Der Mond ist zu ca. 50% zu sehen. Das erlaubt es, die Blende auf 4.0 zu schliessen: Tiefenschärfe ist also kein Problem! Während Stine im warmen Schlafsack liegt stolpere ich im Dunklen rum und versuche interessante Perspektiven zu finden, bevor meine kalten Füsse mich zurück ins Zelt zwingen.
(Sony A6300, ISO 400 bei 25 Sekunden)
Sehr angenehm ist hier die Wasserwage im Display der Sony A6300.
(Sony A6000 bei ISO 400, 20 Sekunden)
Stine schreibt mit meiner kleinen Kraftmax-Taschemlampe, die Beleuchtung im Zelt stammt von einer Black Diamond Laterne (Affiliate Links). Ich kann in beiden normale AAA Batterien nutzen, das schätze ich sehr. #keepItSimpleStupid

ISO-Rauschen der Sonys

Hier noch ein direkter Vergleich der beiden Kameras. In beiden Fällen bin ich (unnötigerweise) auf ISO 6400 gegangen. Die Fotos sind Out-of-Camera, ich habe allerdings ISO-Rauschen leicht reduziert. Mach Dir selbst ein Bild, ob der 2.5 fache Preis gerechtfertigt ist.
Mein Ziel ist es, wie immer, über Praxistauglichkeit zu reden, nicht Testcharts zu fotografieren. Den fertigen Fotos sehe ich nicht mehr an, ob sie von der A6000 oder A6300 sind. Auf 100% Zoom, ohne Rauschreduzierung glaube ich mir einen Unterschied einzubilden. Für mich nicht relevant. Mehr Infos zum ISO-Rauschen der Sony A6300 gibts demnächst auf Youtube.
Noch zum Thema ISO-Rauschen: Während wir auf das Postauto in Binn warten, nutze ich die Gelegenheit noch schnell für ein paar Hoch-ISO-Fotos in der Dorfkirche. Man kann durchaus mal auf ISO6400 gehen, wenn man das Foto dann nicht mehr gross bearbeiten möchte. Viel Dynamic Range ist nicht mehr übrig.
(Sony A6300, 50mm F2.0 bei ISO 6400)

Nebel und Schneefall statt Sonnenaufgang

Geweckt werde ich gegen 5 Uhr vom Gurren einer Gruppe Schneehühner, die direkt neben unserem Zelt hocken. Auch ein Kuckuck ist schon aktiv. Trotz Schnee: Eigentlich haben wir Frühling!
Das Wetter bestimmt die Landschaftsfotografie genauso, wie Bergtouren. Als ich das Zelt aufschlage, sehe ich nur tief hängende Wolken und leichten Schneefall. Urgh! Ein paar Sonnenstrahlen wären jetzt schön. Meine Stiefel waren letzte Nacht leicht feucht vom Schnee: Jetzt sind sie hart gefroren: Das sind die Momente, wo das Aufstehen am Morgen so richtig unangenehm ist!
Schnell reissen wir das Zelt ab, nebenbei kocht nochmal eine Schaufelladung Schnee: Ein Käffchen am Morgen, so viel Zeit muss immer noch sein!
Als wir knapp zwei Stunden später die ersten Blumen sehen, muss ich noch schnell ein Foto machen. Ich mag Schnee, aber, wie die VW Werbung mal gesagt hat: Blau macht glücklich!
(Sony A6300, 50mm bei 1.8)
(Unsere Route auf Strava: 23km, 1400 Höhenmeter).

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